Samstagsbrief für den 25. März 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

Zug, Stadt und Land ist mir Heimat. Schon von klein auf gab es in Baar eine Frau, die uns in die Ferien nahm, die in ihrem Garten einen riesigen gelben Sonnenschirm hatte; dorthin kamen und sassen Leute, die einander erzählten, Verwandte, die uns spielen liessen. Auch wir besuchten mit der Frau Verwandte in der Stadt und am See, überall gute, liebe Gesichter – und Süsses. Wir Kinder liebten die Frau, ihr rotes Haus, ihren Obstgarten und im Garten den Sonnenschirm, dazu das blaue Tram, das uns jeweils von der Stadt zurück brachten; wir liebten die Frau über alles: unsere Grossmutter in Baar.

Land
Heimatbegeisterte übertreiben gerne. Sie rufen: in diesem Kanton kenne ich jeden Meter Boden! Erwandert! Sie rufen: der See, der schönste! Gottseidank, sonst wäre der Kanton zugebaut! Sie rufen: der allerschönste Horizont der Welt, wie in Griechenland; der Lindenberg, von Rotkreuz bis Wohlen! Sie rufen: Eiger, Mönch, Jungfrau, vom Büro aus! Im Abendschein! Sie rufen: Sonnenuntergänge, wie nirgendwo! Sie rufen: man geht ins Tal hinauf! Auf der ganzen Welt geht man ins Tal hinunter! Sie rufen: Zug ist See, Tal, Berg und mehr.
Zug ist alles!
Heimatland!

Wand
In Zug wohnte ich in einem Zimmer: grosse Fensterfront; aber ebenso grosse freie Wand. Nach zwanzig Jahren war die Wand voll mit Bildern. Zuerst bekam ich einen Bergbach von Hodler, dann einen Apostel von Dürer, ein Porträt von Frau Modersohn, einen „Gitschen“ von Danioth, Federzeichnung. So war der Anfang. Dann kamen Ansichtskarten,
eindrückliche; Heiligenbilder, die da bleiben wollten; geologische Skizzen, erstaunliche Landschaften; Gesichter, die betroffen machten. Die Wand wächst und wächst; alles, was wahrhaft ist, aufbauend, „seelenfestigend“; alles, was bewegt hat und weiter bewegt, wirkt weiter.
So wächst Lebensheimat.

Himmelsrand
Einmal, am Anfang, sass ich im weiten Innenhof des Seminars St. Michael; sah das hohe Gebäude vor mir und das niedere hinter mir, ich mitten drin. Sah das Ganze als sitzende Frau, eine grossgebaute Gestalt. Sie sah für mich aus als von oben gekommen, vom Himmel, zusammen mit Michael, als himmlische Heimat hier unten. Ich dachte: da dürfen wir wohnen; da ist ein Ort der Gnade; die Himmelsfrau mit dem Kind sitzt da. Eine Gestalt, ein Gebäude; ein Fliessen von oben nach unten und von unten nach oben, hin und her.
Ein „sitzendes“ Gebäude, gleichzeitig ein „Gnadenbild“, darunter der Himmelsrand.
Heimat: Land, Wand, Himmelsrand und die Grossmutter.

P. Werner Hegglin
Samstagsgespräche fallen aus:
am 8. April (ich bin auswärts)
am 15. April (weil Ostersamstag)
bitte weitersagen!

Hellhörig werden für das Seelenfestigende

„Man braucht nicht sonderlich viel Welt- und Menschenkenntnis zu haben, um sich klar darüber zu werden, dass unsere Zeit mit all ihrem Fortschritt, mit allen ihren Entdeckungen den Menschen die innere Leere nicht nehmen kann.“ Pater Josef Kentenich

Wenn es nicht der technische Fortschritt ist, der unserem Leben Sinn und Erfüllung gibt, was dann? Vielleicht ein Gespräch über Gott und die Welt.
Auch weiterhin sind Sie jeden Samstagnachmittag – und ebenfalls am ersten und zweiten Freitagabend im Monat – auf den Berg Sion zum Gespräch eingeladen. Es geht um unser Menschsein, das vielfältig und widersprüchlich ist, und gerade deshalb immer wieder neu befragt und gestaltet werden will. Da wir rasch an unsere Grenzen kommen, wenn wir alle Antworten ganz alleine zu finden versuchen, tun wir es gemeinsam; mit Blick auf Maria und Jesus. Jeden Samstag steht ein anderes, monatlich wiederkehrendes Thema im Zentrum.

1 Gott spricht durch die Stimmen der Zeit
Literatur (immer am ersten Freitag und Samstag im Monat)

»Gedichte sind für mich weitaus die angenehmste und günstigsten Falles bedeutungsreichste Lektüre. Man verliert dabei verhältnismässig wenig Zeit, da sich der Lyriker konzentriert gibt. Er huldigt der feinen Aufgabe, mit möglichst wenig Worten möglichst viel darzubieten.«
Robert Walser

Der Schriftsteller Robert Walser (1878-1956) ist längst kein Unbekannter mehr, zumindest was seine Lebensweise anbelangt: ein leidenschaftlicher Spaziergänger mit Hut und Regenschirm, Mansardenbewohner, eifriger Schreiber für Zeitungen, zuletzt Patient in der Heil- und
Pflegeanstalt Herisau. Seine Gedichte hingegen sind kaum bekannt. Sie erzählen von dem, was einem Spazier- und Einzelgänger widerfährt, ans Herz rührt: der Schnee, die Bäume, ein hübsches Mädchen, die Sterne, die Einsamkeit – oder auch der von einem Korsett aus Konventionen geschützte und zugleich bedrohte Alltag. Die Themen wechseln, eines aber bleibt an Walsers Gedichten unverändert: die leichtfüssige Sprache, die den Leser streichelt, kratzt, hellhörig machen kann für das Staunenswerte seines Lebens.

Benötigtes Buch (bitte selber besorgen): „Die Gedichte“, Robert Walser, Suhrkamp Taschenbuch 1113. Zudem werden auch Gedichte zur Sprache kommen aus den posthum veröffentlichten Mikrogrammen „Aus dem Bleistiftgebiet“, Band 1 bis 6 (von diesen Gedichten werden Kopien abgegeben).

2 Gott spricht durch meine persönliche Situation
Philosophie (immer am zweiten Freitag und Samstag im Monat)

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns.
Wer philosophiert, öffnet sich zur Welt und damit zu sich selbst. Mein Leben ist nichts anderes als eine unabreissbare Kette von Situationen, die mich fragen, was das bedeutet, was mir jetzt widerfährt, was vorher war und was noch auf mich wartet.
Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt muss gehen, weitergehen, wachsen.

3 Gott spricht durch unser Menschsein und durch Seine Menschwerdung
Kurzexerzitien (immer am dritten Samstag im Monat)

„Niemand hat Gott je gesehen.“
„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also hinaus: Erdkruste, Luft, Wasser, Licht und Wärme sind unsere Elemente; darin bewegen wir uns, darin sind wir. Alle Pflanzen leben davon, wir ebenso, und auch die Tiere. Mit den Tieren hat Gott uns Menschen am sechsten Tag erschaffen.
Von wem hat Jesus sein Menschsein empfangen? Und wie hat Gott die Welt erlöst?
Dieser Samstag soll eine Art Kurzexerzitien sein: Zuerst eine halbe Stunde Gespräch; dann zwei Stunden stille Wanderung, dann Gebet im Heiligtum; zum Schluss gemeinsame Rückschau.

4 Gott spricht durch den Gründer der Schönstatt-Bewegung
Pater Josef Kentenich (immer am vierten Samstag im Monat)

„Was an mir ist Eigenart, und was ist Unart?“ Pater Josef Kentenich

Wer sich mit Pater Kentenich auf den Weg zu Gott macht, lernt: Es gibt keine Abkürzungen. Alles, was ich bin und nicht bin, meine Schwächen und Stärken, meine Leiden und Freuden, Zweifel und Wünsche muss ich ernst nehmen. Denn Gott will keine ängstlichen, angepassten Sklaven, sondern freie, kraftvolle Persönlichkeiten. Pater Kentenich lebt es vor, was es heisst, sich selbst zu erziehen und sich von Jesus und seiner Mutter Maria erziehen zu lassen.

Informationen zu den Samstagsgesprächen:
– Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch (auf der Homepage finden Sie auch die Samstagsbriefe von P. Werner Hegglin).
– Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
– Weiterhin auch am Freitagabend: Da oft gesagt wurde, ein Abend wäre besser, kommen jeweils der erste und zweite Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr hinzu. Programm wie an den beiden betreffenden Samstagen.
– Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).
– Sommerpause: vom 1. Juli bis 26. August 2017.