Samstagsbrief für den 17. Juni 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

unser Koch rief uns jedes Jahr frühzeitig an, er habe im Sopra Ceneri wieder ein Haus gefunden für den Sommer. Zehn Jahre waren wir dann im oberen Maggiatal, Lavizzara, in den Monti die San Carlo; weitere Jahre im alten Pfarrhaus von Torre im Blenio, dann in Brione, Verzasca; zusammen über dreissig Sommer. Der Koch liebte die Berge, aber nur von unten. Er war Frühaufsteher, machte einen guten Kaffee parat für uns drei; dann schickte er uns zum Wandern. Bei ihm gab es kein Mittagessen, er wollte seinen Ferienfrieden. Für das feudale Nachtessen arbeitete er den ganzen Nachmittag. Unser Koch war ein Prachtexemplar; und wir lernten, dank ihm, alle Wege im Sopra Ceneri kennen.

Schritt für Schritt
Die Berghänge in jenen Tälern sind unheimlich steil, da lernten wir langsam – Schritt für Schritt – aufsteigen. Schritt für Schritt und stillschweigend gehen wir auch am dritten Samstag bei unseren Kurzexerzitien auf der Halbinsel Horw. Dabei beten wir: Jeder Schritt auf der Erdkruste und jeder Schritt durch die üppig grüne Pflanzenwelt sind auch ein Schritt zu mir und zum Gott meines Lebens. Ebenso gehen wir durch die wild rufende Vogelwelt, ihr hat Franziskus gepredigt vom Schöpfer. Überhaupt die Pflanzen- und Tierwelt, was ist das für ein Wunder! Und dass der glühende Erdball extra dafür eine abgekühlte Felskruste gemacht hat, damit Gras, Baum und Strauch und die Tiere mit uns Menschen darauf leben und spazieren können; im Gedanken, dass jeder Schritt durch die Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt ein Schritt ist zu uns selbst, zum Leben und zum Gott unseres Lebens.

Grosse Schritte
„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.“ Von der Frau, von Maria hat Gott sein Menschsein genommen; so die Botschaft, der grosse Schritt. Darum beten wir auf unserem Übungsweg: Jeder Schritt auf der Erdkruste, durch die Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt, ist ein Schritt zu mir selbst und auch ein Schritt zu Maria, zur Frau, von der Gott sein Menschsein genommen hat. Dies ist unser Glaube: Gott ist Mensch geworden, er hat gelebt und ist gestorben als Mensch; dann ist er auferstanden als Gott und Mensch und ist heimgegangen zu seinem Vater. Dort lebt und wirkt er als Mensch und Gott, dort ist auch die Frau aufgenommen. So ist unser Menschsein im Himmel, so erlöst Gott uns Menschen, so erlöst er die Welt.

P. Werner Hegglin

Sommerpause: 1. Juli – 31. August

 

 

Hellhörig werden für das Seelenfestigende

„Man braucht nicht sonderlich viel Welt- und Menschenkenntnis zu haben, um sich klar darüber zu werden, dass unsere Zeit mit all ihrem Fortschritt, mit allen ihren Entdeckungen den Menschen die innere Leere nicht nehmen kann.“ Pater Josef Kentenich

Wenn es nicht der technische Fortschritt ist, der unserem Leben Sinn und Erfüllung gibt, was dann? Vielleicht ein Gespräch über Gott und die Welt.
Auch weiterhin sind Sie jeden Samstagnachmittag auf den Berg Sion zum Gespräch eingeladen. Es geht um unser Menschsein, das vielfältig und widersprüchlich ist, und gerade deshalb immer wieder neu befragt und gestaltet werden will. Da wir rasch an unsere Grenzen kommen, wenn wir alle Antworten ganz alleine zu finden versuchen, tun wir es gemeinsam; mit Blick auf Maria und Jesus. Jeden Samstag steht ein anderes, monatlich wiederkehrendes Thema im Zentrum.

1 Gott spricht durch die Stimmen der Zeit
Literatur (immer am ersten Samstag im Monat)

»Gedichte sind für mich weitaus die angenehmste und günstigsten Falles bedeutungsreichste Lektüre. Man verliert dabei verhältnismässig wenig Zeit, da sich der Lyriker konzentriert gibt. Er huldigt der feinen Aufgabe, mit möglichst wenig Worten möglichst viel darzubieten.«
Robert Walser

Der Schriftsteller Robert Walser (1878-1956) ist längst kein Unbekannter mehr, zumindest was seine Lebensweise anbelangt: ein leidenschaftlicher Spaziergänger mit Hut und Regenschirm, Mansardenbewohner, eifriger Schreiber für Zeitungen, zuletzt Patient in der Heil- und
Pflegeanstalt Herisau. Seine Gedichte hingegen sind kaum bekannt. Sie erzählen von dem, was einem Spazier- und Einzelgänger widerfährt, ans Herz rührt: der Schnee, die Bäume, ein hübsches Mädchen, die Sterne, die Einsamkeit – oder auch der von einem Korsett aus Konventionen geschützte und zugleich bedrohte Alltag. Die Themen wechseln, eines aber bleibt an Walsers Gedichten unverändert: die leichtfüssige Sprache, die den Leser streichelt, kratzt, hellhörig machen kann für das Staunenswerte seines Lebens.

Benötigtes Buch (bitte selber besorgen): „Die Gedichte“, Robert Walser, Suhrkamp Taschenbuch 1113. Zudem werden auch Gedichte zur Sprache kommen aus den posthum veröffentlichten Mikrogrammen „Aus dem Bleistiftgebiet“, Band 1 bis 6 (von diesen Gedichten werden Kopien abgegeben).

2 Gott spricht durch meine persönliche Situation
Philosophie (immer am zweiten Samstag im Monat)

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns.
Wer philosophiert, öffnet sich zur Welt und damit zu sich selbst. Mein Leben ist nichts anderes als eine unabreissbare Kette von Situationen, die mich fragen, was das bedeutet, was mir jetzt widerfährt, was vorher war und was noch auf mich wartet.
Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt muss gehen, weitergehen, wachsen.

3 Gott spricht durch unser Menschsein und durch Seine Menschwerdung
Kurzexerzitien (immer am dritten Samstag im Monat)

„Niemand hat Gott je gesehen.“
„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also hinaus: Erdkruste, Luft, Wasser, Licht und Wärme sind unsere Elemente; darin bewegen wir uns, darin sind wir. Alle Pflanzen leben davon, wir ebenso, und auch die Tiere. Mit den Tieren hat Gott uns Menschen am sechsten Tag erschaffen.
Von wem hat Jesus sein Menschsein empfangen? Und wie hat Gott die Welt erlöst?
Dieser Samstag soll eine Art Kurzexerzitien sein: Zuerst eine halbe Stunde Gespräch; dann zwei Stunden stille Wanderung, dann Gebet im Heiligtum; zum Schluss gemeinsame Rückschau.

4 Gott spricht durch den Gründer der Schönstatt-Bewegung
Pater Josef Kentenich (immer am vierten Samstag im Monat)

„Was an mir ist Eigenart, und was ist Unart?“ Pater Josef Kentenich

Wer sich mit Pater Kentenich auf den Weg zu Gott macht, lernt: Es gibt keine Abkürzungen. Alles, was ich bin und nicht bin, meine Schwächen und Stärken, meine Leiden und Freuden, Zweifel und Wünsche muss ich ernst nehmen. Denn Gott will keine ängstlichen, angepassten Sklaven, sondern freie, kraftvolle Persönlichkeiten. Pater Kentenich lebt es vor, was es heisst, sich selbst zu erziehen und sich von Jesus und seiner Mutter Maria erziehen zu lassen.

 

Informationen zu den Samstagsgesprächen:
– Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch (auf der Homepage finden Sie auch die Samstagsbriefe von P. Werner Hegglin).
– Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
– Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).
– Sommerpause: vom 1. Juli bis 26. August 2017.