Neue Impulse für die Erziehung ihrer Kinder gewinnen– Elternpaare haben in Quarten die Gelegenheit genutzt, sich im Bildungszentrum Neu-Schönstatt über die Freiheitspädagogik des Gründers der Schönstattbewegung Pater Josef Kentenich zu informieren.

Der Titel des Wochenendseminars vom 24./25. Juni 2017 im Bildungszentrum Neu-Schönstatt in Quarten lautete: «Starke Kinder brauchen starke Eltern mit Herz». Dank Kinderbetreuung konnten sich die Elternpaare und ein paar Mütter an diesem Wochenende für einmal ganz auf sich und auf die eigenen Erziehungsziele konzentrieren. Mit einer guten Portion Humor und vielen lebensnahen Beispielen zeigte Schwester M. Doria Schlickmann ihnen gangbare Wege durch die stürmischen Zeiten des Erziehungsalltages. Am Samstagnachmittag referierte sie über das Elternprofil. Eingeplant war zudem extra Zeit für Paargespräche. Dazu wurden die Paare mit einigen Impulsfragen aus dem Plenum entlassen.

Selbstverständlich waren anschliessend auch Rückmeldungen und Rückfragen möglich. Am Sonntag stand in gleicher Weise der Umgang mit dem Kind im Zentrum. Sich gegenseitig stärken Schlickmann hatte sich nicht zuletzt auch in ihrer Doktorarbeit und als Autorin in ihren Büchern umfassend mit der Pädagogik von Pater Josef Kentenich auseinandergesetzt. Vor der Erziehung scheint die Selbsterziehung der Eltern zentral. Die Vorbildfunktion ist wichtig. Konsumeinschränkungen oder Pünktlichkeit und Ordnung erlernt das Kind von den Eltern. Ein Übermass an Freiheit überfordert ebenso, wie die Überflutung mit Möglichkeiten. Für die Referentin ist klar: Kinder brauchen Grenzen. Dies nicht zuletzt auch, um zu spüren, dass sie ihren Eltern wichtig sind. Eltern hingegen müssen bei sich selbst bleiben und sich nicht durch die Arbeit auffressen lassen oder triebgesteuert nach dem Lustprinzip funktionieren. Mit Beispielen aus dem Leben Josef Kentenichs macht Schlickmann deutlich, wie wichtig es ist, sich seiner eigenen Werte und Ideale bewusst zu sein. «Kinder müssen wissen, woran sie bei mir sind», betonte die Schönstattschwester. Fundamental sei es auch, sich als Eltern gegenseitig zu stärken und zu stützen und die Beziehung bewusst zu pflegen.

Auseinandersetzungen sollten nicht vor den Kindern ausgetragen werden. In der Liebe und im gegenseitigen Respekt sah die Schwester die Basis für klare Absprachen in aller Unterschiedlichkeit. Weitere Gedanken widmete sie der Triebsteuerung, die notwendig sei, um zu Treue und Zuverlässigkeit fähig zu sein. Genau diesen Punkt vertiefte die Referentin am Folgetag nochmals in Bezug auf den Umgang mit dem Kind. Konsequenzen des eigenen Handelns selber tragen Hier betonte sie zunächst, wie wichtig es sei, die Entscheidungsfähigkeit des Kindes zu fördern. Wer konsequent bleibe, verdeutliche, dass jede Entscheidung eine Wirkung hat. Da Kinder wiederkehrende Muster lieben, vereinfachen Regeln den Umgang. Mit der Sorge um ein Haustier oder anderen kleinen Aufgaben im Haushalt lässt sich das Verantwortungsbewusstsein des Kindes stärken. Wer seinen Kindern immer alles abnehme, verhindere, dass das Kind lerne, die Konsequenzen seines eigenen Handelns selber zu tragen. Um zu innerer Freiheit zu finden, sei es nach Pater Kentenich wichtig, dem Kind nicht sofort jeden Wunsch zu erfüllen, aber Versprochenes auf jeden Fall einzuhalten.

Kinder sollten beim Mittagessen alles probieren müssen, um so zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung finden zu können. Auch empfahl die Referentin den Eltern, die Sexualerziehung nicht der Schule zu überlassen. Die Selbsterziehung ist in der Pubertät ebenfalls ein Thema. Genau jetzt sollte man beim Guten ansetzen, um zu motivieren. Der Umgangston sei wichtig. Zerrüttete Ehen führen zu verhaltensauffälligen Kindern Unter dem Stichwort «Bindung als Garant der Freiheit» wurden die Eltern darin bestärkt, sich gegenseitig «zu verwöhnen», mit guten Gedanken und liebevollen Worten, aber auch mit Grosszügigkeit in Bezug auf die Schwächen des Anderen. Die gut funktionierende Ehe der Eltern spiele für die Kinder eine «unübertroffen bedeutungsvolle Rolle», sagte Schwester Doria Schlickmann. Kindliche Verhaltensauffälligkeiten basierten oft auf zerrütteten Familienverhältnissen. Religiöse Erfahrungen seien ebenfalls wichtig für Kinder. «Sie bestimmen unser mitmenschliches Klima», so die Referentin. Die Familie darf aber auch
Ort der Entladung und des Frech-Seins sein. Eine gute Streitkultur mit abschliessender Versöhnung gehört dazu.
Abschliessend betonte die Referentin den Wert von Humor und der Kraft des positiven Denkens in der Familie, die auch Pater Kentenich durch schwere Zeiten trugen.

Text Katrin Wetzig, Zeitung Sarganserländer
Fotos Sr. M. Joseline Becchio