Samstagsbrief für den 16. September

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

als ich ihn kaufte, war mein Wecker überlaut. Ich hätte ihn nicht kaufen sollen. Mit Zukleben suchte ich ihn zu dämpfen. Es gelang einigermassen. Trotzdem ist er noch sehr aufdringlich, ein Schreckwecker!

Heute erwachte ich sanft. Es waren die grossen Tropfen von der Dachkante; es waren Regengeräusche aus dem Garten; und vom Hang herab das Rauschen der Bäume, es tönte nach massivem Regen ohne Wind.

 

Lebensgeist. Regen

Als wir vors Haus traten, um die Wanderung des dritten Samstags zu beginnen, rief der Gärtner: Regen in der Nacht, Sonne am Tag! Das ist gut! Wir stimmten zu und freuten uns auf die frisch gewaschene Landschaft. Sie strahlte tatsächlich: eine Halbinsel in föhnig klarem Licht, in leichtem Wind, dazu Gras und Blätter noch glänzend von der Nässe.

Regen ist schön. Regen ist wahr und gut. Regen ist Lebensgeist.

 

Lebensgeist. Drei Bilder

Am Ende des Exerzitienweges feiern wir Eucharistie in der Kapelle des Sionshauses. Es gibt dort drei Bilder.

 

Pater Josef Kentenich

Ein Brustbild, hell auf dunklem Grund.

Eindrücklich: gute, gütige Augen, starker Blick; starke Nase, starke Stirn und starke Nasenwurzel; scharfgeschnittene Oberlippen, starker Bart, starkes Ohr und starke Brille.

Dunkler Hintergrund: Erster Weltkrieg, Krisenzeit, zwölf Jahre Hitlerdiktatur, davon vier im KZ; zuletzt vierzehn Jahre Kirchenverbannung. Trotz allem: völlig ungebrochener Lebensgeist.

 

Maria Mutter Gottes

Sie trägt das göttliche Kind uns entgegen. Sie hat ein starkes Ja gesagt, hat dem Kind ihr Menschsein gegeben und es zu Elisabeth getragen: Sie hat es in der Fremde geboren und ist mit ihm geflohen. Im Dorf hat sie es mit Josef zusammen erzogen, dann die drei Wanderjahre miterlebt, bis zur Ermordung am Kreuz, bis zur Auferstehung, bis zur Heimkehr zum Vater.

Und nachher alles nochmals von vorn: die Anfänge der Kirche; im heiligen Lebensgeist.

 

Der Tabernakel

Er steht da in aufrechter Gestalt und menschlicher Grösse, die Wohnung Jesu im Brot. Der Bildhauer hat die Oberfläche des Basaltsteines sorgfältig bearbeitet und den Stein schön in die Betonmauer eingepasst. Ein kleines silbrig glänzendes Türchen auf Augenhöhe ist bezeichnet mit dem Dreieck des Berges Sion und mit einem Kreuz. Auf der einen Seite brennt das ewige Licht.

Drei Bilder: unser Lebensgeist.

 

P. Werner Hegglin

 

 

Hellhörig werden für das Seelenfestigende

 

 

„Man braucht nicht sonderlich viel Welt- und Menschenkenntnis zu haben, um sich klar darüber zu werden, dass unsere Zeit mit all ihrem Fortschritt, mit allen ihren Entdeckungen den Menschen die innere Leere nicht nehmen kann.“ Pater Josef Kentenich

 

Wenn es nicht der technische Fortschritt ist, der unserem Leben Sinn und Erfüllung gibt, was dann? Vielleicht ein Gespräch über Gott und die Welt.

Auch weiterhin sind Sie jeden Samstagnachmittag auf den Berg Sion zum Gespräch eingeladen. Es geht um unser Menschsein, das vielfältig und widersprüchlich ist, und gerade deshalb immer wieder neu befragt und gestaltet werden will. Da wir rasch an unsere Grenzen kommen, wenn wir alle Antworten ganz alleine zu finden versuchen, tun wir es gemeinsam; mit Blick auf Maria und Jesus. Jeden Samstag steht ein anderes, monatlich wiederkehrendes Thema im Zentrum.

 

 

1 Gott spricht durch die Stimmen der Zeit

Literatur (immer am ersten Samstag im Monat)

 

»Gedichte sind für mich weitaus die angenehmste und günstigsten Falles bedeutungsreichste Lektüre. Man verliert dabei verhältnismässig wenig Zeit, da sich der Lyriker konzentriert gibt. Er huldigt der feinen Aufgabe, mit möglichst wenig Worten möglichst viel darzubieten.«

Robert Walser

 

Der Schriftsteller Robert Walser (1878-1956) ist längst kein Unbekannter mehr, zumindest was seine Lebensweise anbelangt: ein leidenschaftlicher Spaziergänger mit Hut und Regenschirm, Mansardenbewohner, eifriger Schreiber für Zeitungen, zuletzt Patient in der Heil- und

Pflegeanstalt Herisau. Seine Gedichte hingegen sind kaum bekannt. Sie erzählen von dem, was einem Spazier- und Einzelgänger widerfährt, ans Herz rührt: der Schnee, die Bäume, ein hübsches Mädchen, die Sterne, die Einsamkeit – oder auch der von einem Korsett aus Konventionen geschützte und zugleich bedrohte Alltag. Die Themen wechseln, eines aber bleibt an Walsers Gedichten unverändert: die leichtfüssige Sprache, die den Leser streichelt, kratzt, hellhörig machen kann für das Staunenswerte seines Lebens.

 

Benötigtes Buch (bitte selber besorgen): „Die Gedichte“, Robert Walser, Suhrkamp Taschenbuch 1113. Zudem werden auch Gedichte zur Sprache kommen aus den posthum veröffentlichten Mikrogrammen „Aus dem Bleistiftgebiet“, Band 1 bis 6 (von diesen Gedichten werden Kopien abgegeben).

 

2 Gott spricht durch meine persönliche Situation

Philosophie (immer am zweiten Samstag im Monat)

 

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

 

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns.

Wer philosophiert, öffnet sich zur Welt und damit zu sich selbst. Mein Leben ist nichts anderes als eine unabreissbare Kette von Situationen, die mich fragen, was das bedeutet, was mir jetzt widerfährt, was vorher war und was noch auf mich wartet.

Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt muss gehen, weitergehen, wachsen.

 

3 Gott spricht durch unser Menschsein und durch Seine Menschwerdung

Kurzexerzitien (immer am dritten Samstag im Monat)

 

„Niemand hat Gott je gesehen.“

„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

 

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also hinaus: Erdkruste, Luft, Wasser, Licht und Wärme sind unsere Elemente; darin bewegen wir uns, darin sind wir. Alle Pflanzen leben davon, wir ebenso, und auch die Tiere. Mit den Tieren hat Gott uns Menschen am sechsten Tag erschaffen.

Von wem hat Jesus sein Menschsein empfangen? Und wie hat Gott die Welt erlöst?

Dieser Samstag soll eine Art Kurzexerzitien sein: Zuerst eine halbe Stunde Gespräch; dann zwei Stunden stille Wanderung, dann Gebet im Heiligtum; zum Schluss gemeinsame Rückschau.

 

 

4 Gott spricht durch den Gründer der Schönstatt-Bewegung

Pater Josef Kentenich (immer am vierten Samstag im Monat)

 

„Was an mir ist Eigenart, und was ist Unart?“ Pater Josef Kentenich

 

Wer sich mit Pater Kentenich auf den Weg zu Gott macht, lernt: Es gibt keine Abkürzungen. Alles, was ich bin und nicht bin, meine Schwächen und Stärken, meine Leiden und Freuden, Zweifel und Wünsche muss ich ernst nehmen. Denn Gott will keine ängstlichen, angepassten Sklaven, sondern freie, kraftvolle Persönlichkeiten. Pater Kentenich lebt es vor, was es heisst, sich selbst zu erziehen und sich von Jesus und seiner Mutter Maria erziehen zu lassen.

 

 

Informationen zu den Samstagsgesprächen:

  • Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch (auf der Homepage finden Sie auch die Samstagsbriefe von P. Werner Hegglin).
  • Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).