Samstagsbrief für den 7. Oktober 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

Es ist Ende September: Drei Tage sind dem Bruder Klaus geweiht; ein Samstag, ein Sonntag und ein Montag. Obwalden ist dafür das Land. Sachseln der Ort, der Ranft das Herz. Viel Offizielles ist dabei, wie es sich gehört. Ich bin hier auf dem Berg Sion, ich denke über einen Satz nach, der mir von Pater Kentenich geblieben ist: „Wir können jeden Akt religiösen Lebens in einem wahren Sinne Gebet nennen.“ Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss beten; sie beten so, wie Jesus es wollte: Ihr sollt allezeit beten.

Familienarbeit: Dorothee Wyss bringt zehn Kinder auf die Welt. Mit Niklaus zusammen zieht sie die unablässig wachsende Schar auf. Ihr Haus ist nicht gross, die Hausarbeit fordert, die Kinder sollen echte Menschen werden; sie zu erziehen ist eine Aufgabe für Tag und Nacht.
Ihr sollt allezeit beten.

Erwerbsarbeit: Es ist ein Bergbauernbetrieb. Niklaus und Dorothee müssen streng arbeiten, ohne Subventionen. Wir können uns eine Landwirtschaft ohne Maschinen schon nicht mehr vorstellen, den Gang auf die Märkte erst recht nicht. Bis Mailand ist es weit. Niklaus und Dorothee hatten Erfolg, sie sparten und wurden sogar wohlhabend. Sie konnten Almosen geben.
Ihr sollt allezeit beten.

Gesellschaftsarbeit: Politisch tätig zu sein, war für Niklaus und Dorothee selbstverständlich. Sie wussten: Wir sind Menschen, wir sind verantwortlich. Niklaus gab viel Zeit hin als Richter in der Gemeinde, im Land. Im Militär war er Kommandant, in Kriegszeiten lange von Zuhause fort. Da mussten Dorothee und die älteren Kinder den Betrieb über Wasser halten, bis Niklaus wieder zurück war.
Ihr sollt allezeit beten.

Eremitenarbeit: Als Bub hat sich Niklaus versteckt zum Beten, später ist er nachts aufgestanden. Er nutzte jede Zeit, bei Gott zu sein. Regelmässig ging er über die Rengg nach Kriens zu Pfarrer Amgrund. Gott liess ihm keine Ruhe. Wie sollte es möglich werden, radikaler Eremit zu sein?
Warum genügten ihm Familienarbeit, Erwerbsarbeit und Gesellschaftsarbeit nicht?
Wir werden heute wesentlich älter als Menschen von früher. Sind wir Alten nun die Eremiten? Müssen wir es sein, können es aber nicht? Was müssten wir können?
Allzeit beten.

P. Werner Hegglin

 

 

Hellhörig werden für das Seelenfestigende

„Man braucht nicht sonderlich viel Welt- und Menschenkenntnis zu haben, um sich klar darüber zu werden, dass unsere Zeit mit all ihrem Fortschritt, mit allen ihren Entdeckungen den Menschen die innere Leere nicht nehmen kann.“ Pater Josef Kentenich

Wenn es nicht der technische Fortschritt ist, der unserem Leben Sinn und Erfüllung gibt, was dann? Vielleicht ein Gespräch über Gott und die Welt.
Auch weiterhin sind Sie jeden Samstagnachmittag auf den Berg Sion zum Gespräch eingeladen. Es geht um unser Menschsein, das vielfältig und widersprüchlich ist, und gerade deshalb immer wieder neu befragt und gestaltet werden will. Da wir rasch an unsere Grenzen kommen, wenn wir alle Antworten ganz alleine zu finden versuchen, tun wir es gemeinsam; mit Blick auf Maria und Jesus. Jeden Samstag steht ein anderes, monatlich wiederkehrendes Thema im Zentrum.

1 Gott spricht durch die Stimmen der Zeit
Literatur (immer am ersten Samstag im Monat)

»Gedichte sind für mich weitaus die angenehmste und günstigsten Falles bedeutungsreichste Lektüre. Man verliert dabei verhältnismässig wenig Zeit, da sich der Lyriker konzentriert gibt. Er huldigt der feinen Aufgabe, mit möglichst wenig Worten möglichst viel darzubieten.«
Robert Walser

Der Schriftsteller Robert Walser (1878-1956) ist längst kein Unbekannter mehr, zumindest was seine Lebensweise anbelangt: ein leidenschaftlicher Spaziergänger mit Hut und Regenschirm, Mansardenbewohner, eifriger Schreiber für Zeitungen, zuletzt Patient in der Heil- und
Pflegeanstalt Herisau. Seine Gedichte hingegen sind kaum bekannt. Sie erzählen von dem, was einem Spazier- und Einzelgänger widerfährt, ans Herz rührt: der Schnee, die Bäume, ein hübsches Mädchen, die Sterne, die Einsamkeit – oder auch der von einem Korsett aus Konventionen geschützte und zugleich bedrohte Alltag. Die Themen wechseln, eines aber bleibt an Walsers Gedichten unverändert: die leichtfüssige Sprache, die den Leser streichelt, kratzt, hellhörig machen kann für das Staunenswerte seines Lebens.

Benötigtes Buch (bitte selber besorgen): „Die Gedichte“, Robert Walser, Suhrkamp Taschenbuch 1113. Zudem werden auch Gedichte zur Sprache kommen aus den posthum veröffentlichten Mikrogrammen „Aus dem Bleistiftgebiet“, Band 1 bis 6 (von diesen Gedichten werden Kopien abgegeben).

2 Gott spricht durch meine persönliche Situation
Philosophie (immer am zweiten Samstag im Monat)

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns.
Wer philosophiert, öffnet sich zur Welt und damit zu sich selbst. Mein Leben ist nichts anderes als eine unabreissbare Kette von Situationen, die mich fragen, was das bedeutet, was mir jetzt widerfährt, was vorher war und was noch auf mich wartet.
Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt muss gehen, weitergehen, wachsen.

3 Gott spricht durch unser Menschsein und durch Seine Menschwerdung
Kurzexerzitien (immer am dritten Samstag im Monat)

„Niemand hat Gott je gesehen.“
„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also hinaus: Erdkruste, Luft, Wasser, Licht und Wärme sind unsere Elemente; darin bewegen wir uns, darin sind wir. Alle Pflanzen leben davon, wir ebenso, und auch die Tiere. Mit den Tieren hat Gott uns Menschen am sechsten Tag erschaffen.
Von wem hat Jesus sein Menschsein empfangen? Und wie hat Gott die Welt erlöst?
Dieser Samstag soll eine Art Kurzexerzitien sein: Zuerst eine halbe Stunde Gespräch; dann zwei Stunden stille Wanderung, dann Gebet im Heiligtum; zum Schluss gemeinsame Rückschau.

4 Gott spricht durch den Gründer der Schönstatt-Bewegung
Pater Josef Kentenich (immer am vierten Samstag im Monat)

„Was an mir ist Eigenart, und was ist Unart?“ Pater Josef Kentenich

Wer sich mit Pater Kentenich auf den Weg zu Gott macht, lernt: Es gibt keine Abkürzungen. Alles, was ich bin und nicht bin, meine Schwächen und Stärken, meine Leiden und Freuden, Zweifel und Wünsche muss ich ernst nehmen. Denn Gott will keine ängstlichen, angepassten Sklaven, sondern freie, kraftvolle Persönlichkeiten. Pater Kentenich lebt es vor, was es heisst, sich selbst zu erziehen und sich von Jesus und seiner Mutter Maria erziehen zu lassen.

Informationen zu den Samstagsgesprächen:
– Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch (auf der Homepage finden Sie auch die Samstagsbriefe von P. Werner Hegglin).
– Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
– Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).