Samstagsbrief für den 21. Oktober 2017

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

am dritten Samstag im Monat bin ich jedesmal dabei; obwohl es nichts vorzubereiten gibt, nichts anzuleiten, nichts durchzuführen. Dieser Samstag führt sich selber. Warum das so ist; ich versuche es aufzuschreiben.

Seit drei Jahren hängt ein Bild im Tagungsraum. Es ist mit Neocolor gemalt, ziemlich unbeholfen. Mir sagt es alles, was P. Josef Kentenich gelebt und gelehrt hat. Ich liebe dieses Bild; die halbe Stunde davor ist bald vorbei. Der Gründer unserer Bewegung ist da. Er wärmt mir Leib und Leben. Er macht mich zufrieden.

 

Mit andern zusammen beginne ich den Weg über die Halbinsel Horw. Miteinander zu gehen und dabei kein Wort zu reden ist etwas Besonderes, man muss es erlebt haben. Stimmen der Meisen, der Amseln, der Elstern und der Spechte sind in der Luft, vor allem die Schreie der Krähen. Hörbar wie nie sonst ist das Universum der Geräusche. Es kommt nicht von ungefähr, dass heutzutage feinste Musik für Geräusche geschrieben wird.

 

Wind und Wolken sind da, manchmal Regen, manchmal Sonne. Die Gräser glänzen vor Nässe und das Grün der Wiesen und der Hügel tut den Augen gut. Fünf mächtige Nussbäume stehen bei einer nutzlosen Scheune. Nicht nur die Bäume, auch die Scheune freut mich. Warum? Überhaupt die Bäume, wenn sie allein dastehen. Aber auch miteinander im Wald machen sie mich still und nachdenklich.

 

Kühe, Geissen und Rosse sind auf der Weide. Ich schaue ihnen gerne in die Augen. Das Querbälklein in den Augen der Geissen zieht mich besonders an. Die Kuhaugen der griechischen Göttin Hera kommen mir in den Sinn; wieder und wieder die Götterwesen der fremden Völker in den Sagen des klassischen Altertums, die Michael Köhlmeier für uns aufgeschrieben hat.

 

Am Ende des Weges: nochmals stehenbleiben vor der Pilatuswand, vor dem Stanserhorn und vor dem Buochserhorn; dahinter die frischverschneiten hohen Nidwaldner. Dann eine Viertelstunde ausruhen im Heiligtum der Muttergottes Maria. Von ihr hat Gott sein Menschsein genommen. Das Bild des Anfangs kommt zurück. Es fasst nochmals auf, was in zwei Stunden Stille gewesen ist.

 

Eucharistiefeier: „Gütiger Vater, wir feiern das Gedächtnis des Lebens, des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar.“ Zitat aus der Messliturgie.

 

P. Werner Hegglin