Friedberg Gossau SG

Anlässlich der Feierstunde haben P. Déogratias Maruhukiro, P. Paul Zingg und Ludo Van Caenegem Einblick ins afrikanische Land Burundi und dessen Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Politik gegeben.

1. Bündnismesse im Schönstatt Heiligtum

Predigt von P. Déogratias Maruhukiro, Isch

Liebe Schwestern und Brüder, heute ist ein besonderer Tag, ein Tag wo wir Wichtiges feiern dürfen. Wir feiern mit dem Hl. Evangelisten Lukas, wir feiern das Liebesbündnis am Tag der Gründung Schoenstatts, wir feiern auch die alte Freundschaft zwischen Gossau und Burundi.

  1. Die Katholizität der Kirche. Vom Hl. Lukas haben wir im Evangelium das schöne Wort gehört, „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“. Am kommenden Sonntag wird in der katholischen Kirche der Weltmissionssonntag gefeiert und diese Worte haben ja eine wichtige Bedeutung. Heute denken wir an die vielen Missionare weltweit, vor allem an jene, die nach Afrika gereist sind, um dort die Frohe Botschaft zu verkünden und die Liebe Gottes zu bezeugen. Wir denken auch an die vielen Priester und Ordensleute, die hier in Europa im Weinberg des Herrn arbeiten dürfen. Es handelt sich nicht einfach um das „ Zurückgeben“ von dem was wir bekommen haben, sondern und vor allem um das „Zeugnis des Glaubens“, in der „Gemeinschaft des Glaubens“. So können wir sagen, dass wir katholisch sind, weil hier die Katholizität der Kirche zum Ausdruck gebracht wird.
  2. Das Liebesbündnis. Wir feiern die Bündnismesse, wir feiern das Liebesbündnis mit der Gottesmutter. Vor drei Jahren (2014) haben wir 100 Jahre der Gründung Schönstatts gefeiert. Wir konnten feststellen, dass die Gottesmutter treu geblieben ist. Was uns damals versprochen wurde, wurde erfüllt. Mehr als 200 Heiligtümer bzw. Schönstatt Zentren weltweit sind gebaut worden, Schönstatt ist eine große Familie geworden. Das Liebesbündnis mit der Gottesmutter ist ein „Miteinander“ und „Füreinander“ mit ihr. Es ist eine Vertiefung der Beziehung zur Gottesmutter. Als „Christus-Trägerin“ kann sie uns zu Christus führen. Das Liebesbündnis hat nicht nur eine spirituelle, sondern auch eine soziale Dimension. Das Liebesbündnis mit der Gottesmutter drängt uns auch, die Nöte der Anderen ernst zu nehmen und etwas dagegen zu unternehmen. Sie sagt immer, „Sie haben keinen Wein mehr“; sie haben kein Brot mehr; sie haben keinen Frieden mehr… und sie freut sich, wenn wir mithelfen. Das ist die „Solidarität“!
  3. Solidarität ein „Ja“ zum Leben. Wir feiern heute, auch die Freundschaft zwischen dieser Gemeinde und Burundi. Ich möchte ihnen sagen, dass ich gerne gekommen bin, auf Einladung von P. Paul Zingg, um Ihnen zu sagen: „Danke schön für alles was sie für Burundi und mein Volk gemacht haben“. Es ist schön, dass es sie gibt, es ist schön, dass sie immer wieder an die Armen in Burundi gedacht haben. Liebe Schwestern und Brüder, die Solidarität mit den Armen, den Kranken, den Strassenkindern ist eine Konkretisierung des Liebesbündnisses. Es ist ein „Ja“ zum Leben, weil durch diese Solidarität Leben gerettet und Freude geschenkt werden kann. Mit der Stiftung „Maria arafasha“ haben wir das schon erfahren; Straßenkinder sind wieder in die Familie aufgenommen worden und können in die Schule gehen, behinderten Menschen wurde geholfen, arme Frauen, die ihre Würde auf Grund der Armut verloren hatten, konnten wieder lachen, weil sie selber etwas unternehmen können durch unsere Unterstützung . . .
  4. Solidarität und Einsatz für Frieden und Versöhnung. Für uns Burundier, vor allem in dieser Zeit der Unruhe in Burundi, heißt Solidarität nicht nur Spenden (was auch sehr wichtig ist), sondern auch zusammen und miteinander sich für den Frieden einsetzen. „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nicht möglich“ (Willy Brandt). Seit 2015 ist das Land Burundi in eine politische Krise geraten, die mehr als 400’000 Leute auf die Flucht getrieben hat. Viele von unseren Landsleuten leben in unmenschlichen Situationen, in Flüchtlingsla-gern in Nachbarländern (Tansania, Ruanda, und Kongo). Viele die nicht fliehen konnten, müssen schweigen; wenn die Kirche sich gegen diese Situation der Unterdrückung äußert, wird sie bedroht und sogar verfolgt. Die Weltgemeinschaft scheint wegzuschauen, um das Leiden des burundischen Volkes und vor allem der Flüchtlinge scheint sich niemand, auch nicht die Medien zu interessieren. Sie haben kein Interesse über Burundi zu berichten, als ob alles dort in Ordnung wäre. Die Solidarität mit den Menschen in Burundi bedeutet in diesem Sinne auch, die Hilferufe der Leidenden weiter zu tragen und zu verbreiten, für mehr Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Frieden. Er kann nur geschehen, wenn irgendwo auf der Welt, wo Frieden gefährdet wird, alle Menschen zusammen und miteinander sich dafür einsetzen, ohne das Interesse der einzelnen Länder oder Gruppierungen verteidigen zu wollen. Als Christen wissen wir, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist und sein Leben unantastbar ist. Jede Aktion, die auf die Zerstörung des menschlichen Lebens zielt, sollte von allen angeprangert werden. Die Vereinten Nationen haben die „Verbrechen gegen die Menschheit“ in Burundi untersucht und berichtet, aber diese Berichte werden einfach in den Schubladen des Vergessens gelassen.

Wir wollen unser Liebesbündnis erneuern, indem wir unsere Solidarität mit den Leidenden Menschen zum Ausdruck bringen und für sie beten.

Möge Gott sie und ihre Familien segnen!

2. Zum Sozialwerk in Burundi

Ludo Van Caenegem gibt Einblick ins Land Burundi, insbesondere ins Sozialwerk. Die Schönstatt-Patres arbeiten seit 1974 im Land und seit 2007 besteht die Stiftung „Mariya Arafasha“ / „Maria Hilf“. Diese hat zum Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern, Strassenkindern zu Menschen zu erziehen, die eine Zukunft haben! Dies soll erreicht werden, indem die Kinder eine Schule besuchen und etwas lernen können, auch durch Berufs-Ausbildung z.B. zum Schreiner, zur Damenschneiderin etc. Ferner sollen durch Bildungsangebote und Kurse, auch in Informatik, für junge Leute und Erwachsene die Friedenserziehung gefördert oder für Anwälte motiviert werden zur Bewältigung von Landbesitzstreitigkeiten.

Dem reich bebilderten Vortrag ging eine Gebetsstunde voraus, „Gebetsbrücke Gossau-Burundi“ mit feierlichem Gottesdienst in der Schönstattkapelle, um die „Brücke Gossau–Burundi“ zu stärken. Eine Opferspende wurde zu Gunsten dieses Sozialwerkes aufgenommen. Mit einem gemütlichen Beisammensein wurde der interessante und lehrreiche Abend beschlossen.

mhs