Samstagsbrief für den 11. November 2017

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

November der Totenmonat.

Als unser Vater starb, schlief unsere Mutter. Als sie erwachte, merkte sie das leere Bett neben sich. Sie war damals taub und blind. Sie musste alles ertasten. Sie kannte die Gewohnheit unseres Vaters. Sie stand auf und suchte ihn auf seiner Liege in der Stube. Sie ertastete seine Füsse und schimpfte liebevoll mit ihm: Eiskalte Füsse! Du hast sie wieder unter der Decke hervor gestreckt. Sie deckte ihn sorgfältig, nicht nur die Füsse, und tastete sich in ihr Bett zurück. Als sie später zu ihrer gewohnten Zeit aufstand, ging sie und fühlte zuerst seine Füsse. Eiskalt! Sie erschrak! Es war die Kälte des Todes.

 

Tot

Je mehr uns eine materialistische Mentalität ergreift, desto mehr drängt es uns, kurz und bündig zu behaupten: Tot ist tot. Das sei doch die einfachste Lösung für ein Lebensende. Alle Lebewesen sterben, sie hören definitiv auf und alle Vermutungen für nachher seien leere Einbildung. Was sollen ein Elefanten- und ein Ameisenhimmel? Tot ist tot.

 

Auferstanden

In der Schule hat man uns von der Unsterblichkeit der Seele erzählt. Dazu hat man uns im Wallis den „Seelenbalken“ gezeigt, wo die Seele hinausschlüpft; den toten Körper zurücklässt.

Von Jesus wird erzählt, er sei auferstanden als Person; ganz; als Körper, Seele und Geist. Dabei ist auffällig, wie oft Jesus als Auferstandener nicht erkannt wurde. Hat das zu tun mit einer Wiederverkörperung; mit einer neuen Gestalt, die durch Wände gehen kann?

Oder hat meine Grossmutter recht, die sagt: In der anderen Welt sind wir Engel? So hat sie sich die Ordnung im Jenseits vorgestellt. Kein Körper, keine Seele, nur noch Geist.

Oder haben jene recht, die bei einer überlebenden Seele bleiben, in einem dämmernden Wartezustand?

Johannes sagt in seinem ersten Brief: Wir wissen nicht, was wir sein werden.

 

Verantwortlich

Wer aufersteht als Person, wird leben. Menschen werden nie wie unfehlbare Automaten funktionieren. Sie leben. Sie werden zur Rechenschaft gezogen. Sie werden ihr ganzes Leben vernünftig beurteilen müssen und verantwortlich dazu stehen. Gott wird mit allen reden, aus seinem Wissen heraus. Vor ihm werden Täter und Opfer sich unter die Augen treten, nicht um verurteilt zu werden, sondern um sich zu versöhnen. Das ist die christliche Erlösungshoffnung über den Tod hinaus. Daher ist es nicht erlaubt, sich und andere mit dem Gericht zu bedrohen, wie das oft geschah. Aber ebenso ist es nicht erlaubt, sich Erlösung ohne Gericht vorzustellen.

„Wer von Gericht nicht reden will, sollte von Erlösung schweigen (Tetens S. 70)“

 

P. Werner Hegglin

 

 

NB: Unser Begleitbuch 2018: Bibel, Altes Testament, „Sprüche“.