Samstagsbrief für den 18. November 2017

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

auf der einen Seite der Bodensee, auf der andern Seite der Genfersee; dazwischen das, was wir Mittelland nennen; was aber längst kein Land mehr ist, sondern eine betonierte Stadt; links und rechts ein Naherholungsgebiet, Voralpen und Jura.

 

Die Schweiz schrumpft zu einer Stadt und bald einmal werden die Schweizer stolz darauf sein, zu den grössten Städten der Welt zu zählen; im Umfang so ziemlich gleich wie New York. Die Schweiz eine Stadt, ein Stadtstaat? Warum nicht?

 

Viele träumen davon: endlich wird dieser Staat zentral regierbar; endlich werden die SBB zu einer einzigen U-Bahn, endlich kann der Fluglärm im nahen Ausland stattfinden. Und die verschiedenen Sprachen dieser Stadt? Man wird schon etwas Einheitliches erfinden, wie damals in Graubünden.

 

Jeder Schritt durch die Welt der Elemente…

Was ist aus dem Elementaren, dem Grundlegenden geworden? Wir müssen es nicht mehr aufzählen. Die Erdkruste ist zugebaut. Die Luft ist so, dass die japanischen Touristen in Luzern mit Gesichtsschutz spazieren. Die Flüsse und die Meere leiden. Licht und Wärme verändern sich drastisch. Es wird grundlegend schwierig.

 

Jeder Schritt durch die Welt der Pflanzen und Tiere…

Am Mittwoch, 1. November 2017, steht in der NZZ: „Insektenforscher der Krefelder Entomologischen Gesellschaft haben 27 Jahre lang Insekten gefangen… Im Untersuchungszeitraum ging die Biomasse um 75 Prozent zurück.“

Zeitungsleser haben immer wieder etwa erzählt bekommen, wie die Artenvielfalt zurückgehe bei Pflanzen und Tieren. Bei den Schmetterlingen sieht es der Aufmerksame selber, jedes Jahr. Aber jetzt, gesamthaft, diese Dimension, 75 Prozent!

 

Jeder Schritt durch die Menschenwelt…

Menschen sind Sinn und Bedeutung suchende Tiere. Ja, wenn sie es nur wären!

 

Jeden dritten Samstag versuchen wir es.

Wir versuchen zu merken, was Bedeutung für uns hat und wie wir Sinn suchen.

Wir schauen auf unser Menschenbild im Saal.

Was ist „bedeutend“ für mich?

Was ist „Sinn“ für mich?

Es sind die Fragen, die ich auf die schweigende Wanderung mitnehme.

Was bleibt?

Der Wind in den Bäumen; die Ziege, die mir entgegenkam, der frische Schnee oben, das dunkle Wasser unten.

Was ich spürbar empfunden habe.

Das bleibt.

 

P. Werner Hegglin