Samstagsbrief für den 2. Dezember 2017

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

„Der heutige Mensch ist breiter.“

Diesen eigenartigen Satz schreibt F. M. Dostojewski 1867 in seinem Roman „Der Idiot“.

An diesem Satz von der Breite fügt er die Bemerkung an: „In früheren Zeiten wohnte dem Menschen eine einzige Idee inne; jetzt ist er nervöser, höher entwickelt, sensibler und hängt gleichzeitig zwei, drei Ideen nach… Das ist es, ich schwöre es, was ihn daran hindert, ein so monolithischer Mensch zu sein wie in jenen Jahrhunderten.“

Seit 1867 sind viele Jahrzehnte gekommen und gegangen. Wer alte Fotografien betrachtet sieht schlagartig, wie diese Welt geworden ist, nachdem wir nicht nur zwei drei Ideen nachhängen, sondern gleich dutzenden. Heute müssten wir sagen: der Mensch ist unendlich „breiter“ geworden.

 

Die Atombombe hat ihre gute Seite

Auf dem Gebiete der Physik ist enorm viel gearbeitet worden. Es wurde vieles entdeckt, was für uns lebensdienlich ist und lebensdienlich bleiben wird.

Atomforschung muss nicht direkt zur Bombe führen. Und, wie gesagt, die Bombe hat sogar ihre gute Seite. Auch wenn wir Menschen allgemein nicht viel von Physik verstehen, von Atomphysik schon gar nicht, haben wir doch begreifen gelernt, dass man zwar Atome spalten kann, aber dass wir nicht alles was wir können, auch tun sollten. Wir haben uns als ganze Menschengemeinschaft fürchten gelernt und haben beschlossen, diese Waffe im Schrank zu lassen.

 

Alles hat seine guten Seiten, wenn wir wollen

 

Globalisierung

Ja – Aber nicht fliegen an alle Enden der Welt, nur um Geld zu machen.

Mobilität

Ja – Aber nicht pausenlos herumfahren und endlos Auto-Bahnen bauen.

Digitalisierung

Ja – Aber das Leben ist analog, nicht digital.

Gentechnologie

Ja – Aber dann gibt es zwei Völker: die Veränderten und die Naturbelassenen.

Medizin

Ja – Aber nicht alles, was ich könnte, gleich machen lassen.

Spitzensport

Ja – Aber nur, was davon ohne Doping übrig bleibt.

Atombombe

Ja – Besitzen, aber nicht zünden.

 

Um im Bilde zu bleiben: Wenn das Leben breiter und breiter wird, einmal wird es zu viel, viel zu viel.

Könnten wir uns wenigstens dann gemeinsam aufraffen, wie bei der Bombe?

 

P. Werner Hegglin