Samstagsbrief für den 17. Februar 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,
im neuen Jahr begann der Januarbrief mit folgendem Satz: «Am dritten Samstag im Monat geht der Weg für uns im Schweigen über die Halbinsel Horw; zurück vom Rundgang besuchen wir die Muttergottes in ihrem kleinen Heiligtum; dort ruhen wir aus.»
Jetzt, im Februar, ruhen wir uns wieder dort aus. Dabei schauen wir auf das Marienbild, schauen auf die Schrift des Bildrahmens, die man anknipsen kann, dann wird sie zur Leuchtschrift: – Servus Mariae nunquam peribit – Offenbar stammt der Satz aus einer Zeit, in der noch viele lateinisch dachten oder mindestens die Priester mit ihren Ministranten lateinisch zelebrierten. Jetzt ist die Zeit vorbei.

Servus – Diener
Hatte Maria in Nazareth einen Diener? Kann ich mir in ihrem Einkindhaushalt einen Diener vorstellen? Dann schon eher bei Josef in der Zimmerei. War es eine grosse Werkstatt? Hatte er mehrere Gehilfen, Diener? Sklaven, wie man damals sagte.
Jetzt ist Maria Himmelskönigin, Königin aller Heiligen. Das sieht schon eher nach Diener aus. Eine gewaltig grosse Schar ist es, im Himmel und auf Erden. Da kann es schon sein, dass einer dem andern helfen muss. Allerdings schickt Gott in solchen Fällen Gabriel oder sonst einen aus der Gemeinschaft der Engel.
Maria wohnt hier im kleinen Heiligtum. So glaubt es der Wallfahrer. Wie soll er sich hier einen Diener vorstellen? Die Inschrift auf dem Altartuch kommt ihm zu Hilfe. Dort steht:
– nichts ohne dich – nichts ohne uns – So weiss es der Wallfahrer. Er ist Mitarbeitender. Er bringt seine Beiträge. Ja, nichts ohne uns.

Nunquam – niemals
Niemals – das ist stark. Er, der Diener, wird niemals untergehn. So stark konnte Jesus reden: «Petrus, du bist der Fels und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Die Mächte der Unterwelt werden sie niemals zerstören». Aber ich? Nicht Fels, nur kleiner servus. Von mir kann niemand «niemals» sagen. Wo gäbe es eine derartige Sicherheit? Wer könnte so vorhersagen, Garantie geben?
Die Welt wird fortwährend anders. Wo gäbe es irgend einen festen Boden, um «niemals» zu sagen.

Peribit – untergehen
Der Wallfahrer weiss: Das «niemals» kann niemand zu ihm sagen. Von anderen gibt es diese Sicherheit nicht.
Er weiss aber: Du selbst kannst dir die Sicherheit geben. Du hast es in der Hand. Du kannst unablässig festhalten an jenem «nichts ohne uns». Nicht in Worten, aber in der immerwährenden täglichen Tat.

P. Werner Hegglin