Samstagsbrief für den 3. März 2018

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ob uns Ludwig Hohl helfen kann? Sein Buch „Die Notizen“ begleitet uns. Hohl ist ein starker Autor, er schreibt starke Sätze. Ob wir starke Leser sind? Jedenfalls versuchen wir es, Satz für Satz, uns hineinzufinden in die Wörter, die uns zugemutet werden. Das erste Thema vom „Tagesklang“ hat uns überrascht und eingeleuchtet; ebenso „Vom Arbeiten“; es war eindringlich, wird das ganze Jahr unvergesslich bleiben.

 

Vom Tagesanfang

Ich stehe früh auf. Es ist noch Nacht. Ich gehe zu den Balkontüren. Der Mond scheint herein und legt eine überhelle Bahn auf den Stubenboden. Es ist bald Vollmond. Er steht schon tief und wird bald untergehen. Dann ist wieder Nacht.

Die Autobahn am andern Seeufer ist bereits gestopft voll. Geschossen schnell stechen die Scheinwerfer aus der Kurve heraus, hintereinander, immer mehr und noch mehr; eine unabreissbare Kette, eng beieinander wie Rosenkranzperlen; mit jeweils einem kleinen Atemzug dazwischen.

Die Waldstätten entleeren sich. Wer ist in Ob- und Nidwalden noch zu Hause? So früh schon, und endlos? Und am Abend alles zurück, in jedem Auto einer. Nach der Kurve zieht sich die Scheinwerferkette noch etwas weiter. Dann kommt der Tunnel, dann ist Ende.

Bei Ludwig Hohl gelernt: im Tagesanfang kommt der Tagesklang.

 

Von der Tagesarbeit

Der Anfang entscheidet viel.

Nicht mit dem falschen Bein aus dem Bett steigen!

Die Morgentoilette muss gründlich sein.

Dann die Psalmen der Laudes.

Vor ihnen habe ich Respekt, ich will sie wenigstens deutlich sprechen.

Die Eucharistie ist ein heiliges Ritual.

Bei aller Andacht – ich werde ihm nie ganz entsprechen.

Aber gemeinsam Worten und Gesängen sorgfältig dienen und dabei geistempfänglich bleiben, das versuchen wir täglich.

Müesli zubereiten beim Frühstück ist gewiss nicht meine allerwichtigste Arbeit; wichtig ist sie doch. Eine Stunde Klavier üben, die Sonate von Mozart, Februar 1789; lesen, probieren; aufpassen, damit die Dissonanzen nicht andauernd verwischt werden; spielen und spielen, bis es Spiel wird – einmal.

Drei Stunden sind vorbei: ausruhen. Ob ich das noch kann, ohne abzuschweifen, ohne auszubrechen? Das berühmte Jesuitenschläfchen. Anschliessend kommt, was immer noch Arbeit ist: Lesen (Hohl), Schreiben (Samstagsbriefe), Erfinden (Liturgie/Homilie), Samstagsverlauf (Phantasie), Gespräche. Nach dem Mittag: Zeitung durchblättern. Was muss ich wissen? Nach dem Essen sollst du ruhn, oder tausend Schritte tun. Ich tue beides.

Dann Arbeit bis zu den Psalmen der Vesper.

Der Abend bleibt offen. Dasein. Beten. Dunkel.

Bei Ludwig Hohl gelernt: Es gibt nur kleine Taten!

 

P. Werner Hegglin

 

PS. Reden, Schwatzen, Schweigen. S. 209/ 3. März