Samstagsbrief für den 10. März 2018

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Philosophie ist: Sichbesinnen des Menschen auf sein Sichfinden in seiner Umgebung. Daher kommt der Grundbegriff Situation. Im Februar fragten wir: Was sind Standpunkte? Das Ergebnis: Standpunkte können als Situationen verstanden werden. Dabei wurde deutlich, wie sehr philosophieren eine „handwerkliche“ Seite hat. Das möchte ich zeigen an unsern vier Fällen.

 

Eins

Situation                   Ich bin in der Welt. Ich bin Welt.

Inhalt                         Diffuse Mannigfaltigkeit, chaotisch.

Sachverhalte             Es gibt endlose Mengen von Dingen und Lebewesen.

Problem                    Ist alles unübersichtlich?

Ist alles gleich? Gleichgültig?

Kann ich unterscheiden?

Kann ich Bedeutsamkeit wahrnehmen? Usw.

Programm                 Du sollst Übersicht gewinnen; Bedeutungen wahrnehmen, intelligent unterscheiden.

Standpunkt             Für mich ist Klugheit lebensentscheidend wichtig.

 

Zwei                         

Situation                   Ich bin in der Welt. Ich bin Welt.

Inhalt                         Diffuse Mannigfaltigkeit, chaotisch.

Sachverhalte             Es gibt eine Menge von Menschen.

Es gibt eine Menge (materieller) Güter.

Problem                    Menschen: Wer gehört zu wem?

Güter:                       Was gehört wem?

Programm                 Jedem das Seine und wie.

Standpunkte           Für mich ist Gerechtigkeit lebensentscheidend wichtig.

 

Drei

Situation                   Ich bin in der Welt. Ich bin Welt.

Inhalt                         Diffuse Mannigfaltigkeit, chaotisch.

Sachverhalt              Menschen sind verwundbar.

Menschen sind gewalttätig.

Alle sind verletzt.

Problem                    Wie kann ich Gewalttätiges verhindern?

Wie können Verletzungen heilen?

Programm                 Du sollst immer und überall dem Übel und dem Leiden entgegentreten.

Standpunkte           Für mich ist Tapferkeit lebensentscheidend wichtig.

 

Vier

Situation                   Ich bin in der Welt. Ich bin Welt.

Inhalt                         Diffuse Mannigfaltigkeit, chaotisch.

Sachverhalt              Menschen sind ungleich in allem.

Problem                    Von allem haben die einen zu viel – andere zu wenig.

Von allem sind die einen zu viel – andere zu wenig.

Wie ist es möglich, dies auszugleichen?

Programm                 Du sollst weder tollkühn noch feige sein.

Die Mitte ist das Mass in allem.

Standpunkt             Für mich ist „im Mass sein“ entscheidend wichtig.

 

Am 10. Februar überlegten wir auf diesen Feldern.

Feld zwei hat uns lange aufgehalten. Jetzt denken wir das Ganze nochmals durch.

 

  1. Am 10. März fragen wir: Wie entstehen Überzeugungen?

 

P. Werner Hegglin