Samstagsbrief für den 19. Mai 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

An diesem Samstag erinnern wir uns:
dass der Mai als Marienmonat gilt,
dass Maria in der Mitte unseres Betrachtungsbildes steht,
dass wir bereit sind, uns von ihr etwas sagen zu lassen bevor wir auf den Exerzitienweg gehen.
Maria sagt:
Vom Menschsein der Welt
Spürst du den leisen Wind, die angenehme Wärme und das strahlende Licht dieser Maitage?
Spürst du die ruhige Halbinsel, den ruhigen See, die heitere Wasserfläche und oben die vorbeigehenden weissen Wolken?
Spürst du den Duft der blühenden Wiesen und auf den Waldwegen den wohltuenden Schatten? Hörst du die Vögel, die diese Wege mit ihren überraschenden Flügen und Rufen beleben? Vom Feld her tönen die Kuhglocken.
Wandernde Menschen grüssen heiter; überhaupt, diese Mai-Welt erheitert die Phantasie, weckt Liebe und die Kraft des Gedenkens.
Maria sagt: Die Welt ist dein und mein Menschsein. Auf dem schweigenden Weg wirst du es merken.

Vom Menschsein Gottes
In jenem Nazareth sagte der Bote: Gott, der Herr, ist mit dir. – Da bin ich erschrocken – Ich wusste nicht, was sagen. Der Bote fuhr weiter: Vom Heiligen Geist wirst du ein Kind empfangen; einen Sohn wirst du gebären. Du sollst ihm den Namen Jesus geben. – Ich blieb erschrocken. Da fragte ich: Wie soll das geschehen? –
Undenkbares soll geschehen? Der ewige Gott soll ein vergänglicher Mensch werden? Sein Menschsein soll er von mir haben? Unmöglich.

Vom Menschsein Jesu
Ich habe ihn dann empfangen, getragen und bin pflichtgemäss nach Bethlehem mitgegangen. Dort, im Stall, kam die Zeit der Geburt – dann sofort die Flucht. Es war schwierig.
Einigermassen zur Ruhe gekommen sind wir erst in Nazareth, wo Jesus zur Schule ging und dann bei Josef die Lehre machte.
Ich kannte ja sein und mein Geheimnis, aber mir schien, als ob er im Dorf erwachsen werde wie die andern. Er hatte zwar seine rätselhaften Seiten; aber wer hat sie nicht? Er begann in der Synagoge vorzulesen, sagte etwas dazu, wie gewohnt. Erst als er begann mit seinem vehementen „Ich aber sage euch“, da wurde er der schwierige Verkünder, Lehrer, Heiler und der Führer der Apostel. Drei Jahre. Am Ende ging alles schnell: gefangen, verurteilt, getötet und begraben.
Als er auferstand, sahen die Zwölf sein und mein Geheimnis. Von da an wurde alles anders, wir wussten: Unser Gott ist ein Mensch; Jesus, im Himmel.

P. Werner Hegglin