Samstagsbrief für den 15. September 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Darauf kommt es an, dass wir glauben lernen“. So beginnt ein Satz unseres Lehrers Josef Kentenich.
Im Sommer 2018 habe ich in einer Männergruppe Wochenexerzitien gemacht mit dem Leitsatz: „Darauf kommt es an.“ Wenn ich den Halbtag, den Morgen, dieser Sommerwoche erzähle, ist es ein kleines Stück; weil es sich aber jeden Tag wiederholt, kann es doch ein Ganzes werden.
Die Männer stehen früh auf, kommen im Heiligtum der Muttergottes zusammen, singen die ganze Laudes, alles gemeinsam; und dann gemeinsam: das Morgenessen. Ein guter Anfang. Ein Tagesklang

Erster Weg
Gesprächskreis im Freien: Wo und wie habe ich glauben gelernt? Die Zeit reicht für drei Erzähler. Es ist spannend; denn Gott trifft sein Geschöpf auf dem Lebensweg meist unerwartet; er schickt „Propheten“, gibt überraschende Situationen, immer wieder, und immer anders.
Anschliessend, auf Fusswegen, mächtig farbigen Feldern entlang; Raps, Korn, Mais. In der Stille des Wanderns wirken die drei Erzähler nach.

Zweiter Weg
Bei der Ankunft zuoberst im Gelände, in der Marienkapelle am Waldrand, sind wir erstaunt: Brennen die beiden Kerzen vor dem Bild die ganze Nacht? Und wer bringt die frischen Wiesenblumen auf den Altar? Weit und breit kein Dorf, keine Häuser. Wer pflegt dieses Heiligtum, täglich? Unsere Gespräche gehen weiter: „Darauf kommt es an, dass wir glauben lernen, dass mich Gott persönlich liebt.“ Persönlich.
Wir nehmen zu zweit einen schmalen Waldweg abwärts und erzählen einander. Wo, wann, wie habe ich erfahren, dass er mich persönlich liebt?

Dritter Weg
Unten, in der barocken Dorfkirche, wird unser Satz vollständig: „Darauf kommt es an: dass wir glauben lernen, dass mich Gott persönlich liebt, mich mit meiner Eigenart unermesslich lieb hat.“
Wir gehen zu dritt durch die Ebene bis zur berühmten Klosterkirch. Unsere Eigenarten geben viel zu reden, auch zu lachen. Das zieht sich hinein, bis ins Mittagessen unter den Bäumen im Klosterhof.
Dort steht, unbemerkt, das Denkmal für die 700 Insassen der Klinik, die 1940 in den Gaskammern umkommen. So holen uns die „Eigenarten“ unerwartet nochmals ein; nichts zu lachen. Totenstill.

P. Werner Hegglin