Samstagsbrief für den 8. September 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

Philosophie ist: Sich besinnen des Menschen auf sein Sichfinden in seiner Umgebung.

Der Dammweg wurde mir empfohlen, dort sei schattiger Wald, beidseits, und in der Regel ein bisschen Kühle vom Fluss herauf. Für heisses Wetter – das Richtige.

Ein Fussweg für eine Person, für mich; fraglos und ungestört, mich vorwärts ziehend. Andere wohltuende Schattenwege kommen mir in den Sinn. Mit der Zeit dann fürchte ich das Ende des Waldes, auch wenn nur zwei Tannen fehlen. Doch könnte ich ja jeder Zeit umkehren zum Schatten; heute ist für mich der ganze Tag offen, randlose Gegenwart.
Wo die Sonne einen prallen Flecken Helligkeit auf den Waldboden wirft, dort sammeln sich Schwärme kleinster Fliegen. Ich bin nicht der einzige Wanderer; vor mir wurde das nächtliche Spinngewebe bereits abgeräumt. Frühe Biker sind nicht nur lästig. Ich bedanke mich.
Dass Gemeinden mit spitzem Kirchturm solche Wege unterhalten, sie mit gelben Wanderzeichen versehen, die sogar eine Wanderzeit angeben, erstaunt mich. Warum nicht Kilometer? In der Schweiz kann niemand sich verlaufen; alles ist angeschrieben. Verstaucht ein Wanderer den Fuss, weiss er bald einmal, wie viele Meter über Meer ihm das passiert ist und er vertraut: Hilfe ist nahe!
Der Dammweg ist gut geschützt und still. Gelegentlich riecht man Silofutter; oder eine Schweinemast in der Ebene. Zuliefernde Lastwagen machen sich auffällig; sonst gibt es nur das treue Rieseln des Flusses. Unter Entgegenkommenden grüsst man freundlich. Wanderer, die einander ausweichen müssen, können nicht so gut stumm aneinander vorbei. Sogar auf den paar Sitzbänken am Weg traut man sich zueinander.
Ein Dammweg bringt vieles.
Philosophie ist…
Ist das Philosophie?

P. Werner Hegglin