Samstagsbrief für den 15. Dezember 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

für Christen gibt es eine zweifache Ankunft Gottes in der Welt; die erste geschieht in jener Nacht in Bethlehem, die wir als Weihnacht feiern und für die wir schon vier Wochen vorher den Namen Ankunft (Advent) gebrauchen. Ein ganzer Monat der Ankunft also, nicht bloss ein Christbaumabend, wenn Kerzen brennen.
Gleichzeitig erinnert die Liturgie der Kirche an die zweite Ankunft Gottes, die am Ende der Zeit geschehen wird; niemand kennt den Tag, niemand die Stunde, nur der Vater weiss sie. Er, der Himmel und Erde erschafft.

Die dritte Ankunft
Zwischen der ersten und der zweiten Ankunft gibt es eine dritte. Sie findet heute, jetzt und hier statt. Es ist die heilige Messe. Heute Abend, in der Stunde zwischen fünf und sechs geschieht die Ankunft (Advent) Christi für jene, die dann da sind. Sie geschieht in drei Schritten: Begegnung, Opferung, Kommunion.

Begegnung
Wir sind in der Kapelle.
Ich komme aus meinem Haus, gehe meinen Kirchweg; es regnet, ich gehe unter dem Schirm, ich stelle mich auf die Ankunft ein – Schritt für Schritt.
Jesus kommt aus seinem Haus, dem grenzenlosen Himmel. Er sieht uns; hier die beiden in der ersten Bank und zuhinterst jemand, der steht. Er will uns finden, antreffen und will etwas sagen. Jetzt im Advent sagt er ein paar Worte zu seiner ersten Ankunft, und dann – im Evangelium – etwas zur zweiten, die kommen wird. Seid wachsam, mahnt er, jene zweite Ankunft schnappt zu wie eine Falle.

Opferung
Ich bringe mein Leben dar, zusammen mit Brot und Wein. Was ich heute, gestern und vorgestern erlebt, und was ich gearbeitet habe; was alles mir geschenkt worden ist, ich bringe es dar. Es ist mein Leben.
Jesus gibt seine Geburt, seine Jugend und seinen Alltag als Gott-Mensch. Er gibt, was er erwandert hat mit seinen Freunden; was er verkündete, lehrte, stritt, half und heilte. Er gibt wie er gefoltert und an den Kreuzbalken genagelt wird. Er gibt Tod und Auferstehung und den Heimgang zum Vater. Es ist sein Leben.

Kommunion
Es ist still geworden in der Kapelle.
Jesus hat uns alles gegeben. Vorbehaltlos will er unser Heil.
Ich habe gegeben, was ich zu geben hatte; ich gebe auch, was kommen wird. Ich glaube, Jesus wird mit mir gehen. Er ist treu, er kann sich nicht verleugnen. Er kommt mit mir in mein Haus. Er nimmt mich mit in sein Haus. Er möchte, dass wir uns regelmässig besuchen; so wie heute, zwischen fünf und sechs.

P. Werner Hegglin