Samstagsbrief für den 8. Dezember 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

Pater Josef Kentenich ist der Gründer Schönstatts. Ich ehre sein Bild. Charles Wyrsch aus Kriens hat es gemalt. Es ist zu sehen in unserer Hauskapelle auf dem Berg Sion in Horw. Es ist das Bild eines alten Mannes; ein klares, helles Gesicht mit grossem Bart; aus der Mitte eines schwarzen Hintergrundes hervortretend; selbstbewusst.

Person
Das Porträt ist gefasst in einem schmalen schwarzen Rahmen; ein Ölbild, hochformat; hängt auf der Betonwand hinter dem Altarstein. Schultern und Oberkörper verschwinden in der Schwärze.
Zuerst fällt der weisse Bart auf; dann die scharfgeschnittenen Oberlippen und das rechte grosse Ohr; dann eine Brille mit dunklem Gestell und – oben – glattgestrichene Haare über der Glatze. Besucher, die das Bild antreffen, fragen: Ist das ein Kapuziner?
Nun – wer ihn näher kennt, sieht in diesem Gesicht zweifellos ein starkes Selbstbewusstsein, gar ein absolutes; und den Ausdruck einer unabhängigen Identität.

Persönlichkeit / Persönliche Situation
Am Anfang schien mir die Person des Paters klar, deutlich und verständlich. Je länger ich mit dem Bilde lebte, umso eigenartiger wurde es – was normal ist – es wurde aber auch überraschender und fraglicher.
Ein Mund zum Beispiel: Eine freundliche Unterlippe, sprechende; jedoch der Oberlippenbart peinlich scharf geschnitten. Auch die Nase ist ein energischer Kontrast zwischen äusserst empfindsamen Nasenflügeln und hart gezogenem Nasenrücken. Die Nasenwurzel ist erstaunlich tief eingegraben in einer Stirn, die hell, weit und ohne Schatten die Höhe des Gesichtes ausmacht.
Diese Stirn kommt mir vor wie ein Salon, geräumig, unverstellt und heiter.
Die Nase-Mund-Partie wirkt dagegen geprägt und stark; entschlossen, sogar kämpferisch. Ein besonderes Rätsel sind mir die Augen. Natürlich sind nicht beide gleich. Aber das linke ist überraschend genau gezeichnet, das Lid am Ende etwas herabhängend; der Blick aber von einer Schärfe sondergleichen. Auch das rechte, etwas im Schatten, ist von derselben Durchdringlichkeit.
Alles in allem: Das Gesicht eines revolutionären Lebens, möchte ich es nennen.
Unser Thema 2018: Philosophie. Person. Persönlichkeit.

P. Werner Hegglin

NB: Unser Begleitbuch für 2019
Hermann Schmitz, „Kurze Einführung in die Neue Phaenomenologie“,
Verlag, Karl Alber
Das Buch kann hier erworben werden, Fr. 25.-.