Samstagsbrief für den 19. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hitler benützte die Kirche, wenn es ging, sonst verachtete er sie gründlich. Er predigte eine total andere Erlösung.
Mit der Wehrmacht eroberte er alles, von Norwegen bis Griechenland. Europa war gefesselt im Kriegszustand; an den Fronten starben Millionen; die Partisanen aller Länder jagte Hitler wie das Wild im Wald und die Juden rottete er radikal aus, erbarmungslos, ohne Ausnahme.

20.1.1942
Ein Priester, von dem bekannt ist, er sei nicht einverstanden, hat in diesen vierziger Jahren nicht viele Chancen. Die Polizei verhaftet ihn, steckt ihn in einen dunklen Bunker, wochenlang. Liefert ihn dann ins Konzentrationslager, in ein Leben, das für die meisten kaum auszuhalten ist; in überfüllten Baracken, mit ungenügender Nahrung, unmenschlicher Arbeit, dazu total überwacht.
Keiner weiss am Abend, ob er den nächsten Tag überleben wird.

20. Januar
Mit Hilfe des Arztes hätte der Priester sich vor dem Konzentrationslager vielleicht retten können. Er hat es nicht getan. Er nahm die Strafe auf sich, solidarisch mit seiner leidenden Gemeinschaft in Schönstatt; gemeinsam vertrauend auf die Muttergottes in ihrem Heiligtum; solidarisch mit allem, was von dort aus seit 1914 im religiösen Leben vieler geschehen war.
Die Amerikaner beendeten den Krieg, befreiten die Häftlinge aus dem KZ, unter ihnen den Priester Pater Josef Kentenich. Dieser kaufte ein Pferd und einen Wagen und zu zweit fuhren sie heim, durch ein zerstörtes Land, heim in ihr verschontes Schönstatt, heim in ihre religiöse Bildungsarbeit, die jetzt notwendiger war denn je.

Im Kalender steht morgen der 20. Januar. Wer Josef Kentenich folgen will, wird diesen Tag ganz offen halten für ihn; er selber wird ihn offen halten für uns, wie damals.

P. Werner Hegglin