Samstagsbrief für den 26. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

gegen Ende seines fünften Vortrags fragt der Exerzitienmeister, wie veranlagt der Mensch für Religion sei, natürlicherweise, rational und irrational. Er weist hin auf das Buch von Rudolf Otto „Das Heilige“, wo das Irrationale als Numinosum und Faszinosum Gottes im Vordergrund steht. Der Vortrag endet mit der Bemerkung, dem heutigen religiösen Leben mangle es am richtigen Erfassen der irrationalen Anlage. Alles bleibe stecken im Kopf. In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt: Wo erscheint das Heilige in meinem Alltag?

Im Arbeitszimmer
Mein Schreibtisch ist ein kurzer, ganz schmaler Holztisch; er ist direkt an eine kahle Wand geschoben; an dieser Wand hängt mein heiliges Bild. Es schaut auf mich herunter, nah, klein und ganz in Gold gefasst. Es sagt zu mir: ich bin die Himmelskönigin, die Dreimal Wunderbare von Schönstatt, mein Gold erleuchte dich. Mit einer kleinen Kopfbewegung schaue ich vom Arbeitstisch empor und empfinde jedesmal Marias Niedrigkeit und ihre alles überragende Grösse.

Im Tagungsraum
Es ist der Raum aller Samstagsgespräche. Ein unbeholfen, mit Neocolor gemaltes, Bild ist dort behelfsmässig an die Wand geklebt. Es dient als Gesprächsgrundlage und besonders als Merkspruch für den dritten Samstag:
„Jeder Schritt durch die Welt der Elemente, durch die Welt der Pflanzen und der Tiere, ist ein Schritt zu mir und zu meinem Menschsein; ist auch ein Schritt zu Maria, denn von ihr hat Gott sein Menschsein genommen. Jesus hat gelebt, ist gestorben, auferstanden und heimgegangen zu seinem Vater! Wo immer die Dreifaltigkeit dargestellt wird, ist Jesus mit nacktem Oberkörper sichtbar. Er ist Mensch und Gott für immer.

In der Schönstatt-Kapelle
Das Symbol des Gnadenbildes: Du bist voll der Gnade, der Herr ist mir dir.
Das Symbol am Chorbogen: Niemand hat Gott je gesehen. Sein Auge sieht alles.
Das Symbol in der Kuppel: Strahlende Sonne. Der Geist schwebt herab. Die Stimme ruft: Du bist mein lieber Sohn; an dir habe ich meine Freude.
Das Symbol am Tabernakel: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige. Wenn ihr in mir bleibt, bringt ihr reiche Frucht.
Diese Kapelle nennen wir: Unser Heiligtum.

P. Werner Hegglin