Liebe Leserin, lieber Leser,
während eines Kurses für Priester, aus dem wir lesen werden, unterbricht sich Pater Kentenich selber immer wieder. Hätten wir mehr Zeit, sagt er; Sie müssten das Leben beobachten -; unwillkürliche Lebenserfahrungen müssten Sie ernst nehmen -; tun Sie das, werden Sie Lebensbeobachter -; lassen Sie das wirkliche Leben auf sich wirken -; greifen Sie mitten ins Leben hinein -; Sie haben das Recht, sich Lebensfragen selbst zu beantworten.
Offenbar fürchtet er als Kursleiter vorgefasste Gedanken, geläufige Worthülsen, Schablonen. Worum geht es? Um die Liebe.
Ganz unmittelbar Leben anschauen
Pater Kentenich fordert auf, wenigstens zurückzudenken an die eigene Kinderzeit; wie war es mit der kindlichen Liebe? Oder, später dann, mit der Freundschaftsliebe? Mit dieser Kraft unseres jugendlichen Lebens? Wie wirkte sie? In ihrer Grösse und unvergesslichen Schönheit. Er fordert die Priester auf, ihren Alltag ernst zu nehmen, ihre Beziehungen zu prüfen; die väterliche Liebe zu sehen, wie sie wirkt im Begleiten der Menschen. Zum Schluss sagt er: „Ich darf Sie darum bitten, einmal ganz ungeniert das wirkliche Leben auf sich wirken zu lassen.“
Liebesbewegung
Dann beginnt er zu erzählen von einem Baum, er nennt ihn Liebesbaum, mit seinen Wurzeln, seinem Fuss; dann mit dem Stamm, den Ästen, den Zweigen und der Frucht. So vergleicht der Genfer Kirchenlehrer Franz von Sales die Liebe. Die Wurzeln, sagt er, zeigen die Gleichheit und Ungleichheit der Liebenden im Sinne der gegenseitigen Ergänzungsfähigkeit und -Bedürftigkeit; das sei die Voraussetzung. Und dann natürlich die Sympathie, der Fuss des Liebesbaumes; ohne Sympathie keine Liebe. Im Stamm geht’s nach oben, Liebe ist Bewegung, in die Äste und Zweige. Liebe ist dynamisch, Liebesbewegung. Wer liebt bewegt sich in sich und auf den andern zu. Liebe ist kein Zustand; Liebesbewegung hört nie auf, solange Liebe lebt.
Unter dem Liebesbaum steht ein kurzer Spruch: Alles aus Liebe, Wurzel und Fuss; alles durch Liebe, Stamm und Äste; alles für Liebe, Blüten und Frucht.
Der Kursleiter meint, es brauche den Baum vielleicht nicht, Lebenserfahrung genüge. Anschliessend sagt er: „Wenn ich weiss, was mitten im Alltagsleben Liebe bedeutet, dann weiss ich auch, was Gottesliebe bedeutet“ (Josef Kentenich). Hätten wir mehr Zeit, sagte er damals.
Wir haben sie am vierten Samstag im Mai.
P. Werner Hegglin
Vierter Samstag im Monat 14.00 – 17.00
Thema: Gott spricht zu mir durch unsern Gründer, P. Joseph Kentenich
Zu Fragen der modernen Welt und der Kirche
P. Edwin Germann, Berg Sion
Claudia Zimmermann, Küssnacht a. R.
P. Werner Hegglin, Berg Sion
Die Samstagsgespräche sind unentgeltlich. Kollekte. Ohne Anmelden.
Sie können an jedem Samstag beginnen / an jedem Samstag aufhören.
Es braucht keine Fachkenntnisse, ein waches Herz genügt.
Jeden Samstag 17.15 Gelegenheit zur Eucharistie.