Foto: T. S.

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Pilgern von Stans zu Unserer lieben Frau im Ridli

Am Samstag, den 13. Februar 2016, schickte die Sonne am Morgen ihre ersten Strahlen rechts von der Rigi ins Land. Es scheint ein guter Tag zu werden, entgegen den Wetterprognosen. Gegen Mittag ziehen Wolken auf, es wird dunkel. Ich studiere im Netz den Regenradar. Ich packe meine Regenhosen und den Schirm in den Rucksack. Als ich in Stans den Zug verlasse, fallen erste Tropfen. Mit geöffnetem Schirm laufe ich zur Kirche. Da warten schon die Pilgerinnen, warm und gegen Regen geschützt gekleidet. „Pilgern ist wandern +“, so begrüsst P. Edwin Germann die Pilgerinnen. Unser Augenmerk richtet sich auf das +. Papst Franziskus lädt uns im Hl. Jahr der Barmherzigkeit ein, aufzubrechen und die Begegnung mit Gott zu suchen. Schon in „Die Freude des Evangeliums“ motiviert er jeden Christen, „gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen.“ In einer kurzen Besinnung bei der Muttergottes in der Unterkirche in Stans fragen wir uns: Was erhoffe ich mir von der Wallfahrt? Was erbitte ich von Gott? Wofür möchte ich pilgern? Wofür möchte ich danken? Wir versuchen unsere Sinne zu öffnen für das, was uns auf dem Weg an Überraschendem entgegen kommt. Wir laufen los. Es tröpfelt vom Himmel. Schon bald kommen wir zur ersten Station: Die Kapelle St. Heinrich in Oberdorf. Über uns blauer Himmel. Wir halten bei jeder Kapelle und machen eine kurze Statio. Wir betrachten die dargestellten Heiligen, wir singen, beten, hören das Wort Gottes oder einen Impuls. Auf dem Weg von Stans nach Beckenried befinden wir uns einerseits auf dem Camino de Compostela und andererseits in einer einzigartigen Sakrallandschaft. Es vergeht keine halbe Stunde Wegzeit, und wir stehen vor der nächsten Kapelle. Jede hat ihren besonderen Reiz und Charme.
Die Kapelle St. Heinrich in Oberdorf ist frisch und schön renoviert. Eine Pilgerin erzählt, dass sie im Haus nebenan aufgewachsen ist. Die Kapelle ist ihr Heimat.
Die St. Annakapelle auf Chäppelisitz ist ganz mit Holz ausgekleidet, was ihr eine besondere Wärme verleiht. Die Sonne scheint durch die bunten Glasfenster und zaubert ein Farbenspiel auf Boden und Bänke.
Die Loretokapelle in Ennerberg: Loretokapellen sind Kapellen in der Kapelle und stellen das Haus von Nazareth dar: klein und schmuck bergen sie die Pilger.
Die Obgasskapelle in Buochs: Wenn man von Stans herkommt, sieht man die Pfarrkirche auf dem Hügel mächtig vor sich stehen und bemerkt fast nicht die unscheinbare Kapelle am Wegrand. Hier halten wir freie Fürbitten für Kirche und Welt und singen dazwischen „Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu“. Darauf bauen wir.
In der Pfarrkirche in Buochs gibt es eine eigentümliche Besonderheit: Links hinten in der Seitenkapelle sieht man die gekrönte Muttergottes in einem Sarg liegen. Eine Pilgerin meinte: ‚Wie Schneewittchen, wirklich schön und fein gemacht, überhaupt nicht kitschig’. Vorne in der Kirche haben sie während der Fastenzeit mit Ziegelsteinen eine Klagemauer aufgestellt. Einige von uns schreiben auf einen Zettel ihre Klagen und Bitten und stecken diese in die Mauer. Die Zettel werden in der Osternachtliturgie ins Feuer gegeben.
Inzwischen hat die Wolkenfront hinter dem Pilatus auch den blauen Himmel über uns bedeckt. Wir marschieren zügig weiter unserem Ziel entgegen: Unserer lieben Frau im Ridli. Auf dem Hochaltar ist die Aufnahme und Krönung Mariens in den Himmel dargestellt. Wie in den meisten Kapellen am Wegrand gibt es auch hier ein Bild vom Bruder Klaus. Wir rufen das + in Erinnerung: Wofür sind wir gepilgert? Was ist uns entgegen gekommen? Vielleicht hat Gott durch ein Wort, eine Begegnung die eine oder andere Pilgerin mit seiner Barmherzigkeit berührt. „Wer etwas wagt, den enttäuscht der Herr nicht, und wenn jemand einen kleinen Schritt auf Jesus zu macht, entdeckt er, dass dieser bereits mit offenen Armen auf sein Kommen wartete“ (Papst Franziskus).
Als wir die Kapelle verlassen, sehen wir eine nasse Treppe. Es hat geregnet. Wir laufen trockenen Fusses zur Bushaltestelle. Auf der Rückfahrt nach Stans setzt kräftiger Regen ein: Hatten wir Wetterglück!! „Wer etwas wagt …“.
Maria Hässig

PS: Das nächste Mal „wandern +“ gibt es am 7. Mai 2016. Da pilgern wir von Hellbühl zur Muttergotteskapelle auf dem Flüss. Nähere Angaben entnehmen Sie: www.bergsion.ch unter ‚aktuell’ und ‚Angebote’. Weitere Termine: 17. September und 3. Dezember 2016.

Foto: T.S.

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