Samstagsbrief für den 22. September 2018
Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Schulkamerad wollte mir unbedingt etwa zeigen. Es sei eine schöne Velotour, über St. Gallen und dann dem Bodensee entlang, sagte er. Seine Eltern seien einverstanden und ich durfte mitfahren. Oberhalb Kreuzlingen machten wir halt, stellten die Räder an einem Aussichtspunkt ab. Der Kamerad machte ein paar energische Schritte und rief: Da! Das Zeltlager der Hitlerjugend! Hunderte weisser Zelte auf einer Insel! Samstag, Sonntag; alles gratis! Eine Jugendbewegung! Die neue Zeit in Deutschland! Er kam ins Schwärmen. Mir blieb das Staunen über die Herde weissglänzender Zelte, mitten im See.
Schicksalsschläge sind Gaben und Aufgaben
Die Zwischenkriegszeit machte die deutschen Tische schmäler und schränkte bitter ein, was man einst zu konsumieren gewohnt war. Die Krise nahm zu. Schon 1929 waren 1,8 Millionen Deutsche ohne Arbeit. Die Zahlen stiegen drastisch an, Jahr für Jahr, und erreichten 1932 ihren Höhepunkt mit 5,5 Millionen.
Dann wurde Adolf Hitler gewählt; er kurbelte die Rüstungsindustrie an und steuerte direkt auf den Krieg zu; 1939 war die Arbeitslosenzahl auf Null.
Gleichzeitig wurden Oppositionelle verhaftet, eingekerkert, in Berlin enthauptet.
P. Kentenich kam ins Koblenzer Gefängnis, wurde dann ins KZ Dachau deportiert; dort 1945 von den Amerikanern befreit.
Direkte Angriffe von der andern Seite
Die nationalsozialistische Bewegung war die Macht und predigte die Selbsterlösung.
Weg mit der Kirche!
Weg mit dem Erlösungsbuch!
Weg mit Jesus (Gottmensch) als Erlöser!
Weg mit der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen!
Weg mit der Erlösungsreligion!
Was tun?
„Wenn die erlösten Menschen mir erlöster lebten, ich würde an ihren Erlöser glauben.“
F. Nietzsche.
P. Werner Hegglin
PS. Wir lesen „erlöst“ als „befreit“ und „frei“.