Pausenbrief für den Monat Juli 2019
Liebe Leserin, lieber Leser,
Spricht Gott zu mir durch die Zeit?
Was sagt die Zeit? Hat sie gestern, vorgestern etwas gesagt? Sagt sie jetzt, im Moment etwas?
Literatur im Alltag. Jetzt, wo ich in der Forstscheune Heerenberg den „Tell“ der Schüler, 3. – 6. Klasse, Frauenfeld, erlebe?
Vielsagend
Männer der Waldstätten fahren geheim über den See; es ist Nacht, es regnet, es ist kalt; verborgen auf dem Rütli finden sie einander zur Verschwörung. Die Lichter sind gelöscht. Alles muss im Geheimen geschehen. Sturmwinde peitschen die Wellen und den Wald und verdecken die Stimmen. Zwei Worte bleiben für immer.
Das erste: „Eine Grenze hat Tyrannenmacht!“
Das zweite: „Wir sind ein einig Volk von Brüdern!“
So spricht Schiller in seiner Zeit.
So sprechen Schüler für mich. Unvergesslich. Vielsagend. Für immer.
Vielsagend
Gott spricht zu mir durch mein Menschsein.
Philosophie im Alltag
Vor der Sommerpause schreibt mir ein Teilnehmer, der jeden Monat am Gespräch des zweiten Samstags teilgenommen hat, was für ihn bedeutsam war. Stichworte:
Ich bin Person.
Ich bin ein Bewussthaber.
Ich bin fähig zur Selbstzuschreibung.
Selbstzuschreibung besteht darin, etwas für sich (oder sich für etwas) zu halten.
So geht die Stichwortreihe weiter. Der Schreiber klärt nichts auf, er weiss, dass ich dabei war und mich an die Gespräche in der ganzen Breite erinnern kann.
Beispiel: „Bewussthaber“. Ich habe Bewusstsein. Was ist das? Habe ich einmal einen Bewusstlosen gesehen? War ich schon bewusstlos? Oft vergesse ich; ich sehe die Person, finde aber den Namen nicht. Bin ich teilweise bewusstlos? Ist Dummheit eine Form von bewusstlos?
Heute las ich in der Zeitung von „Nichtwachheit“. Ja klar: wie vieles entgeht meiner Aufmerksamkeit. Ganz wach bin ich offenbar nicht; müsste ich es sein? Wie ist es mit dem Aufwachen? Wer weckt mich? Gibt es ein ökologisches Aufwachen?
So beginnen die Gespräche; hin und her.
Und vielsagend. Zehnmal pro Jahr.
P. Werner Hegglin