Samstagsbrief für den 20. Oktober 2018
Liebe Leserin, lieber Leser,
am 18. Oktober ist der Gedenktag des Evangelisten Lukas. Nach der Überlieferung stammt er aus Syrien, ist von Beruf Arzt und begleitete Paulus auf seinen Missionswanderungen in der heutigen Türkei und in Griechenland. Eines der vier Evangelien wird ihm zugeschrieben und Kenner behaupten, er schreibe das beste Griechisch.
Elisabeth
Von der Verheissung und von der Geburt des Täufers Johannes wüssten wir ohne Lukas nichts; wüssten nicht, dass sein Vater Zacharias ein Tempelpriester war, der die Verkündung empfing, als er dort das Rauchopfer darbrachte; wüssten nichts von seinem Unglauben und Widerspruch; wüssten nicht, dass er mit seiner Frau Elisabeth kinderlos im Bergland von Judäa wohnte und wüssten nicht, dass sie eine Tante der Jungfrau Maria war. Das alles hat Lukas interessiert, von ihm erfahren wir es.
Maria
Die Kindheit Jesu hat Lukas besonders interessiert. Dank ihm wissen wir vom Engel Gabriel, vom fragenden Widerspruch Marias; vom „du bist voll der Gnade“ – und vom – „der Herr ist mir dir“. Und dass Gabriel sagt, die Tante Elisabeth sei im sechsten Monat, die doch in der Verwandtschaft als unfruchtbar galt.
Nur Lukas berichtet, Maria sei sofort aufgebrochen und eilends von Galiläa ins Bergland gewandert (vielleicht mit Esel?) zur Tante und dass sie drei Monate blieb, bis zur Niederkunft; um dann wieder die über hundert Kilometer nach Nazareth zurückzulegen. So begann Maria ihre Schwangerschaft.
Im neunten Monat Marias, brauchten Kaiser Augustus und seine Besatzungsmacht in Palästina Geld. Josef muss nach Bethlehem, mit Maria; nochmals der unendlich lange Weg; gezwungen, sich in die Steuerlisten einzutragen. Und dann die Geburt im Stall; die Hirten, nachts auf dem Felde, sie erleben die Erscheinung einer Engelschar und vernehmen die Friedensbotschaft.
Lukas sagt, Maria habe alles in ihrem Herzen bewahrt, was von den Hirten kam.
Ebenso sagt es Lukas bei der Darstellung des Kindes im Tempel; wo der alte Simeon voller Begeisterung das Kind in die Arme nimmt und zu ihm sagt: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden, denn das Heil ist da. Juden und Heiden zu erleuchten hast du ein Licht angezündet.
Zu Maria sagt Simeon: Jesus wird umstritten sein in Israel. Jesus ist gesetzt zum Fallen und zum Aufstehen vieler. Dein Herz aber wird von einem Schwert durchbohrt werden.
Lukas weiss, dass die Eltern Jesu jedes Jahr zum Passa nach Jerusalem pilgern; dass der Zwölfjährige in der Stadt verschwindet, von der Verwandtschaft gesucht wird, endlich, nach drei Tagen, in der Gruppe der Tempelgelehrten entdeckt wird und dass er von Maria die Frage bekommt: Musstest du uns das antun? Jesus beschwichtigt: Ihr hättet mich nicht suchen sollen. Ihr hättet euch doch denken können, dass ich im Hause meines Vaters bin.
Ein grosser Tag. Lukastag. Gründungstag Schönstatts.
Und: was wir alles von Maria nicht wüssten.
P. Werner Hegglin