Samstagsbrief für den 3. November 2018
Liebe Leserin, lieber Leser,
Ludwig Hohl beginnt „Die Notizen“ mit dem Kapitel I, „Vom Arbeiten“. In der ersten Nummer stellt er fest: „Arbeit ist immer ein Inneres; und immer muss sie nach einem Aussen gerichtet sein. Tätigkeit, die nicht nach einem Aussen gerichtet ist, ist keine Arbeit; Tätigkeit, die nicht ein inneres Geschehen ist, ist keine Arbeit.“ Dann, als Zweites, schreibt er: „Arbeiten ist das einzige, bei dem einem kein anderer helfen kann.“ Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass Hohl so beginnt und es ist auch kein Zufall, wenn das Sachregister in dem seine Arbeitsweise aufgelistet ist (Seite 805), das umfangreichste ist.
Darum hat es mich gereizt, diese Stichwörter aufzuschreiben und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zum eigenen Überlegen vorzuführen:
Der Tagesklang/ Am Morgen nicht sprechen/
Das frühe Aufstehen/ Körperübungen/
Unabhängig werden/ Entdeckung der Arbeitsmethode/
Das Geheimnis der Anstrengung/ Intensität/
Erschrecken vor dem Technischen/ Zwei Dinge herausarbeiten/
Die beim Schreiben hindernden Dinge/ Alles ist Werk/
Verhältnis zur Korrespondenz/ Aus Zwang schreiben/
Ich kann meine Mittel nur im Widerstand entwickeln/
Durch das Wissen leben/ Tages-Chroniken/
Die Sätze meisseln/ Unfähigkeit zum Warten/
Entwicklung des eigenen Denkens/
Ich brauche Freunde auf Erden/ Lebens-Bedingungen/
Dass ich Leser haben werde/
Keine Vollendung meines Werks/
Immer reineres Zeugnis ablegen/
Mein Grossvater sagte jeweils, wenn eine Arbeit gut gelungen war: Jetzt müssen wir noch den Sack zubinden.
Im November/Dezember kommt unsere Arbeit mit „Die Notizen“ zu ihrem Ende und es gilt dann, den Sack zuzubinden.
Wir tun es im November mit dem Grundthema „Vom Arbeiten“ und im Dezember mit dem rätselhaften Satz „Phantasie ist das gewaltigste geistige Vermögen“ (Seite 751).
Beides sind nicht nur Schlüssel zum Werk Ludwig Hohls, sie können auch Schlüssel werden zum eigenen Leben, das uns als Aufgabe gegeben ist.
P. Werner Hegglin