Samstagsbrief für den 13. April 2019
Liebe Leserin, lieber Leser,
es kommt die Karwoche. Jesus wird verhaftet. Noch in der Nacht wird er vor das Gericht des Hohenpriesters gestellt und am Morgen Pilatus vorgeführt; dieser soll das Todesurteil fällen.
Der Religionsprozess
Jesus wird am Ölberg verhaftet. Die Tempelpolizei führt ihn in die Stadt hinab, in den Palast des Hohen Rates. Dort wird er endlos und widersprüchlich angeklagt; wird auch misshandelt, weil der Prozess nicht vorwärts geht. Die Diener des Hauses warten draussen am Feuer; auch Petrus wartet.
Gegen Morgen verliert der Hohepriester die Geduld. Am toten Punkte der Verhandlung steht er auf, stellt sich vor Jesus hin und fragt direkt: „Bist du der Messias, der Sohn des Allerhöchsten?“ Jesus antwortet: „Ich bin es.“ Der Hohepriester ruft: „Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was warten wir noch länger? Er ist des Todes schuldig.“
Nur die römische Besatzungsmacht durfte Todesurteile fällen; also musste Jesus dem Stadthalter Pontius Pilatus vorgeführt werden.
Der politische Prozess
Vielleicht hatte Pilatus von Jesus schon gehört. Jedenfalls wollte er sich in religiöse Fragen nicht einmischen; er sagte: „Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz.“ Da gaben die Juden ihm eine Rechtsbelehrung und wiesen ihn darauf hin, Todesurteile seien seine Sache. Pilatus war überzeugt, Jesus sei ohne Schuld. Als er dann hörte, Jesus komme aus Galiläa, schickte er ihn zu Herodes, der dort zuständig war. Vor Herodes antwortete Jesus nicht; er sagte kein Wort. So schickte ihn Herodes zurück.
Pilatus aber wünschte ihn frei zu lassen. Ein Strassenräuber und Mörder sass im Gefängnis. Am Festtag konnte Pilatus einen freilassen; er war überzeugt, das Volk würde den schuldlosen Jesus wählen. Aber das Volk schrie: „Nicht diesen, sondern Barabbas!“ Nun wusste Pilatus nicht mehr weiter; er liess ihn geisseln. Die römische Geisselung war brutal, riss das Fleisch von den Knochen und endete oft tödlich. Jesus blieb, schwer verletzt, am Leben. Pilatus liess ihn vors Volk führen; hoffte, das wäre genug für einen Unschuldigen, aber das Volk schrie: „Kreuzige ihn!“
Pilatus suchte ihn immer noch frei zu lassen. Als das Volk aber drohte, wenn er den König der Juden frei lasse, sei er kein Freund des Kaisers.
„Amicus Caesaris“, diesen Ehrentitel brauchte Pilatus unbedingt. So liess er Jesus fallen und gab ihn frei zur Kreuzigung.
P. Werner Hegglin