Samstagsbrief für den 18. Mai 2019
Liebe Leserin, lieber Leser,
überraschend liegt am Morgen ein Flaum Aprilschnee im Garten. Die Tulpen schliessen ihre roten Köpfe. Ein Schwarm Spatzen jagt hintereinander her und verschwindet.
Am Samstag stehen wir vor dem Betrachtungsbild im Tagungsraum, wie immer. Diesmal schauen wir auf Maria in der Mitte und freuen uns an ihrem Bild. Katholiken sind bilderfreundlich. Es war aber nicht immer so. Wie steht es mit anderen Konfessionen? Anderen Religionen?
Bilderfreundliche Katholiken
Am Auffahrtstag ist in Zug die Wallfahrt nach Einsiedeln. Viele sammeln sich bei der Michaelskirche, andere kommen bei Sankt Verena dazu. Dies ist ein kleiner, eleganter Kirchenbau mit vielen Bildern, erbaut von Bruder Moosbrugger, der auch das Kloster Einsiedeln gebaut hat.
Ich habe mich stets gefreut auf den Pilgerweg über den Sankt Jost, habe mich im Voraus gefreut, in Einsiedeln anzukommen auf dem Klosterplatz beim Brunnen; dort aus allen Röhren einen guten Schluck zu trinken und dann vor der Gnadenkapelle zu stehen, dort wo alle zuerst hingehen, nicht nur aus Gwunder, welchen Rock sie diesmal an hat, sondern ganz einfach, um zu staunen und zu beten, vor den goldenen Wolken und dem leuchtenden Strahlenkranz um sie herum; dies im Anfang einer riesigen weissen Kirche voller farbiger Stuckaturen und darin verborgenen Bildern.
Dann gehe ich andächtig nach vorne, stehe dort auf auf den Steinplatten, wo es in die Gruft hinunter geht; erinnere mich an Pater Benedikt, unseren Verwandten, der gesagt hat: wenn ihr mir etwas mitbringt, gebt es nicht an der Klosterpforte ab; versteckt es in meinem Beichtstuhl vorne rechts; besonders, wenn es eine Flasche ist von eurem wunderbaren Menzinger Kirsch.
Bilderfeindliche Katholiken
Die Erdoberfläche besteht aus Felsen, die müsst ihr kennen, befahl er. Zudem war er verliebt in sein Velo, der alte rundliche Lehrer, und befahl uns, mit dem Velo an den Fluss zu kommen, zu den Geröllfeldern der Saane, beim Kloster Hauterive. Der Unterricht war nichts anderes als eine wöchentliche Gesteinsprüfung mit Abschweifungen seinerseits. Mich interessierte das Kloster. Ich lernte die Zisterzienser kennen; lernte, dass von hier aus einmal zwölf Mönche auszogen, das Kloster Kappel zu gründen. Als ich lange Jahre in Zug arbeitete wurde Kappel mir vertraut. Ich bekam Respekt vor den Gründermönchen, vor ihrem Leben absoluter Selbstversorgung: Selber verantwortlich für alles, vom Schuhleder bis zu jedem Essen und bis zu jedem Steinblock der Kirche. Dazu drei Stunden Psalmen singen und Schläge für Singfehler, mit einer Tagesordnung ohne freie Zeit; mit einem Leben im Schlafsaal.
Zisterzienser sind streng. Bernard von Clairvaux ist ihr Vorbild. Er verliess den Luxus seiner Schlösser. Er verbot den Mönchen jeden Luxus. Bilder sind Luxus. Zisterzienserklöster sind die schönsten Klöster – ohne Bilder.
Halbfeindliche: Orthodoxe
Wir sind für Bilder. Sie müssen aber korrekt im alten byzantinischen Stil gemacht sein.
Bilderfeindliche: Protestanten, Juden, Moslem.
P. Werner Hegglin