Immer wieder hörten wir von Pater Kentenich’s Exilzeit. Wir wussten, er war von seinen Funktionen enthoben und nach Amerika abgeschoben worden. Es gab einen grossen Friedhof, in welchem er «Gesprächs-Spaziergänge» geführt hatte… Grossmehrheitlich aber lag über Pater Kentenich’s Exilzeit eine Art Nebel.
Im August reisten wir zum Schönstattzentrum in Waukesha, nahe Milwaukee. Zusammen mit 5 weiteren Teilnehmenden besuchten wir unter der Leitung von Pfarrer Birkenmeier und Sr. Margaret Orte an denen Herr Pater gewirkt und gelebt hatte und trafen Zeitzeugen des Exils wie zum Beispiel das Ehepaar Horn. Sie erzählten berührend von ihrer Zeit mit Pater Kentenich. «Father» schien immer alle Zeit der Welt für sie zu haben und interessierte sich für alles: Kinder, Beruf, Angst vor der Fahrprüfung, Arbeitslosigkeit, Geldsorgen… Es gab nichts, was sie Vater nicht fragen konnten.
Herr Pfarrer Birkenmeier war unser Reise- und Seelenführer mit feinem Gespür. Sein enormes Wissen über die Exilzeit und seine Verbundenheit zu den Zeitzeugen waren enorm bereichernd.
So erfuhren wir, dass wegen der grossen Distanzen in Amerika die Idee der Hausheiligtümer entstanden war. An «Father» wurde die Frage gestellt, ob sich die Mutter Gottes nicht in den Häusern niederlassen und von dort aus wirken könne? Pater Kentenich war offen für diese Idee und stellte aufgrund der Entwicklungen fest, dass die Mutter Gottes sich wirklich in den Häusern niedergelassen hatte und wirkte. So verbreiteten sich Hausheiligtümer auf der ganzen Welt.
Wir wurden in Milwaukee enorm beschenkt und durften Pater Kentenich als «Father» begegnen. Ein Vater, welcher als «Liebender, nie von seiner Liebe lässt» und dem nichts mehr am Herzen liegt, als alle zum Himmlischen Vater zu führen. Dabei dürfen wir auf die Unterstützung der Mutter Gottes zählen.
Die 14 Exiljahre waren für Pater Kentenich schwer, trotzdem vielleicht das grösste Geschenk für ihn und die Schönstattfamilie. Von all seinen Pflichten und Rechten der Schönstattbewegung enthoben profitierte seine Gesundheit. Möglicherweise war für Herrn Pater das Exil lebensverlängernd. Es entstanden viele wertvolle Schriften (Am Montagabend, Aus dem Glauben leben…) und neue Formen des Glaubenslebens der Schönstattbewegung (Familienheiligtum, Herzensheiligtum).
Im Moment leben auch wir aufgrund der Corona-Pandemie in einem Exil. Wie kann dieses «Exil zu Hause» zum Segen werden? Wo und wie können wir in dieser erzwungenen Stille die leise Stimme Gottes hören? Was will ER uns sagen? Was kann daraus wachsen? Was können wir für einander tun? Pater Kentenich dazu: «Unsere grösste Sorge sollte sein, jede Sekunde endlos sorglos zu sein, nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil wir auf Gott vertrauen.»
Rahel und Werner Heller