Eine kleine, aber feine Gruppe von Frauen hat sich am Samstag, dem 26. November, nach Quarten aufgemacht, um sich auf den kommenden Advent und das Ankommen unseres Erlösers vorzubereiten. In der Hauskapelle wurden wir und P. Ch. Horn von Sr. M. Beatris herzlich begrüsst. Zuerst durfte unsere Seele in der Stille mit dem Lied: „Schweigen möchte ich, Herr“ bei Jesus und der Gottesmutter ankommen. Anhand der Geschichte von Maria, ihrem offenen Ohr für Gottes Stimme, dem auf Empfang leeren und geweiteten Herzen, sowie ihrem vorbehaltlosen Ja zu Gottes Willen, hat uns Sr. M. Beatris auf eindrückliche Weise den Sinn der neuen Jahresparole – hört und bewegt – nahegebracht und die neue Karte dann auch verteilt.

Weiter gings im Vortragssaal! Natürlich wurde unsere Neugier durch vier Glocken, die mitten im Saal an einer Stange aufgehängt waren, der schönen adventlichen Dekoration, besonders aber durch den Koffermarkt geweckt. Was gab es hier nicht alles zu bestaunen! Wie letztes Jahr hat die Gruppe Gossau mit Monika Allenspach und Beatrice Hugentobler diesen Markt organisiert. Etliche Frauen haben Selbstgebackenes, Gebasteltes, Gestricktes etc. dafür vorbereitet und in Koffern mitgebracht. Monika Allenspach, Berty Brülisauer und ihr Mann haben die Sachen wunderschön adventlich präsentiert. Der Erlös wird wie immer für Milchpulver für Burundi gespendet. Mit dieser Aussicht hat manche Teilnehmerin etwas tiefer in den Geldbeutel gegriffen. Ich bin gespannt, wieviel wir am Ende der Tagungen nach Burundi schicken können!? Ein grosses Vergelts Gott der Organisation und den fleissigen Händen!

Ebenso ein riesiges Dankeschön an das Vorbereitungsteam aus Abtwil mit Monika Bertsch, Edith Lehmann, Christine Wäger, die Sr. M. Beatris geistig und praktisch tatkräftig unterstützt haben. Merci ebenfalls Erika Oehler für die Messvorbereitung! Ich durfte in ihrem Namen einiges vortragen und mich beeindruckte die Tiefe ihrer Texte.

Mit dem Lied „Herr, gib uns Mut zum Hören, Leben, Dienen, zur Stille, zum Schweigen, zum Ruhn und zum Glauben!“ haben wir uns gesanglich auf die neue Parole eingestimmt. Sr. M. Beatris aber hat uns die Parole ebenfalls mit leichten Turnübungen körperlich erfahrbar gemacht. Wie sie geistig, seelisch aussehen kann, haben wir im Laufe der Tagung und werden es durch die kommende Jahresarbeit erfahren. Danach gab es bis zum feinen Abendessen genügend Zeit zur Stille, im Koffermarkt zu stöbern, die Geselligkeit bei einem Kaffee zu pflegen oder sich bei der heiligen Beichte die Seele zu erleichtern.

Ein Höhepunkt einer jeder Adventstagung ist die Feier am Abend. Nun kamen die Glocken am Ständer, die uns schon beim Betreten des Vortragssaales neugierig gemacht haben, zum Zuge. Sr. M. Beatris und ihre Helferinnen erzählten von den Zwillingen Mia und Jonas, die in der Adventszeit auf ihre Eltern verzichten müssen, weil diese dringend eine Geschäftsreise tätigen müssen. Die Grosseltern springen für sie ein und ziehen zwischenzeitlich bei den Kindern ein. Es ist ihnen bewusst, dass gerade in der Vorweihnachtszeit Mama und Papa besonders vermisst werden. So überraschen sie die Enkel am ersten Adventssonntag mit einer Advents-Glocken-Rally, die in der Stadt stattfinden soll. Wie im Vortragssaal sehen die Kinder an einem Glockentürmchen vier Glocken. Mit dem dritten Glockenschlag des Kirchturmes beginnt die erste Glocke sich zu bewegen, zuerst langsam, dann mit grossem Schwung. Es ist, als würde diese Glocke jubeln und eine Botschaft verkünden. Nach und nach steigen die weiteren drei Glocken, jede in einer anderen Tonart, in den Jubel ein und verbinden sich zu einem lauten Wohlklang, der alle Anwesenden zutiefst im Herzen berührt. Wie eine Glocke ums andere ins wunderbare Glockenspiel eingesetzt hat, verstummt eine um die andere wieder, bis alle wieder ganz still und ruhig am Türmchen hängen. Langsam zerstreut sich die Menschenmenge. Dabei bemerkt Mia anerkennend: „Sowas gab’s bei Mami und Papi noch nie!“ und unsere Familie macht sich zufrieden zum Abendessen auf den Heimweg. Dabei verrät der Grossvater den Zwillingen, dass das erst der Anfang der <Advents-Glocken-Rally> sei. Mehr will er nicht verraten. So sitzen beide Kinder nach dem Essen ganz gespannt um den Tisch und das Adventsgesteck mit der ersten Kerze. „Habt ihr die Botschaft der Glocken heute verstanden?“, fragt die Oma nun. Als diese verneinen, erzählt der Opa von der Botschaft der ersten Glocke. Sie trägt den Namen Glauben. An den folgenden Sonntagen erfahren Mia und Jonas die Namen der weiteren Glocken, die Hoffnung, Liebe und Glauben heissen. Mit einem jeden Glockennamen hat uns Sr. M. Beatris auf diese Art den tieferen Sinn von Weihnachten nähergebracht. Eine jede Teilnehmerin durfte ein Kerzchen bei der Krippe unter die Glocke hinstellen, die mit ihrer Botschaft am meisten berührte. Ein Lichtermeer erhellte dann den Saal und im Herzen bewegt machten wir uns auf den Weg in die Abendruhe. Seither werden die Kirchenglocken von mir nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen gehört!

Gestärkt vom reichhaltigen Frühstücksbuffet durften wir uns am Morgen bei der Hl. Messe von Gottes Wort, der Predigt von P. Ch. Horn und dem Leib Christi beschenken lassen. Ein weiterer Höhepunkt!

Im darauffolgenden Vortrag hat Pater Horn von den vielen Arten des Hörens gesprochen: Vom akustischen Hören, dem äusseren Hören, dem Gehorchen, zugetan sein und dem Zuhören/Heraushören, dem inneren Hören. Notwendig ist beim akustischen Hören, dass wir gezielt auswählen und gegebenenfalls abschalten.

Ganz wichtig für unser geistiges Wachstum aber ist das innere Hören, das religiöse Hören: Sich die Zeit nehmen und die Stille suchen, um Gottes Stimme zu erfahren, um zu beten und zu betrachten. Hier hat Pater Horn selbst ein Zeugnis gegeben. Auch von P. J. Kentenich haben wir genug Beispiele, wie er durch die Stille, das Beten, das Betrachten und hörend auf die Zeichen der Zeit von Gott geführt, reich beschenkt und dadurch ein Segen für viele und für die ganze Kirche geworden ist. Er hatte ein unerschütterliches Vertrauen in Gottes Führung und seinem Liebesplan. Ein Heilmittel, um im Vertrauen zu wachsen, ist die abendliche Tagesrückschau, wo wir Gottes Spuren in unserem Alltag suchen und dafür danken.

Im Weiteren sollen wir lernen, die hörenden Stimmen zu unterscheiden: Gottes Stimme und die Stimme des Bösen. Gottes Stimme richtet auf, schenkt Hoffnung, innere Ruhe und Frieden, zeigt neue Schritte. Die Stimme des Bösen ist Lüge, zeigt das Negative, zerstört Beziehungen, stiftet Unfrieden und Hass.

Das richtige Hören bewegt! Ein Beispiel ist die Gottesmutter Maria: Auf die Aussage des Engels, dass ihre Base im hohen Alter noch ein Kind erwartet, ist sie zu ihr geeilt, um ihr beizustehen. Gerade wir Frauen haben eine natürliche Begabung zum Hören. Möge die Gabe des inneren Hörens, des Mitgefühls und der Feinfühligkeit uns gerade im Advent dazu bewegen, auf andere zuzugehen und durch Zuhören und Heraushören Gutes zu tun und andere Menschen zu beschenken. „Hört und bewegt“.

Nach dem feinen Mittagessen und ausgiebigem Austausch standen uns vier Angebote zur Verfügung: Rosenkranzgebet – Zeit der Stille – adventlicher, meditativer Spaziergang und nochmals die Möglichkeit zur heiligen Beichte. So hatte nochmals jede Frau die Möglichkeit, die letzte Stunde nach ihrem Bedürfnis auszukosten. Danach waren wir schon wieder zur Sendungsfeier im Heiligtum eingeladen, wo wir nach kurzer Andacht und dem priesterlichen Segen in den Alltag und in den hoffentlich segensreichen Adventsalltag entlassen wurden.

Danke allen Beteiligten, die für das Gelingen dieser bereichernden Tagung in irgendeiner Form beigetragen haben!

                                                                                                                                                                                  Heidi Haueter