Ganz Menschsein – der archimedische Punkt Schönstatts
Der griechische Physiker und Mathematiker Archimedes (ca. 287-212 v.Chr.) fragte sich, wie er die ganze Welt bewegen könnte. Er entdeckte, dass es einen festen Punkt und einen Hebel braucht: «Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln.»1 Die Schönstätter Marienschwester Dr. Elizabeth Parodi setzte in ihrem inspirierenden Impulsreferat am Delegiertentreffen der Schönstattbewegung der Schweiz bei Archimedes an und fragte die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer: «Was ist der archimedische Punkt Schönstatts, von dem aus wir Welt und Kirche in Bewegung setzen?» Es ist das Charisma Schönstatts. Und schon stand die nächste Frage im Raum: Was ist das Charisma Schönstatts? Es ist ein geflügeltes Wort, das wir oft brauchen, ohne genau zu wissen, was Charisma meint. Charisma sei «zunächst eine tiefe Gotteserfahrung, ein konkreter Weg der Begegnung mit Gott.»2 P. J. Kentenich machte eine solche Gotteserfahrung: In Maria ist er Jesus Christus begegnet. In Maria sah er, was der Mensch zutiefst ist und wozu er berufen ist. Als Mitglieder der Schönstattbewegung haben wir teil an dieser geschenkten Erfahrung. Unser Charisma ist das ganz Menschsein. In der anschliessenden Gesprächsrunde haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber ausgetauscht, welche Resonanzen das Impulsreferat in ihnen auslöste. In einem zweiten Schritt fragten sie sich: «Wie geben wir Antwort aus dem Charisma Schönstatts auf die Fragen unserer Zeit?»

Jede Gruppe beleuchtete die Frage unter einem bestimmten Blick: auf die Arbeit, die Familie, den Freundeskreis und die Nachbarschaft, die Kirche, die digitale Entwicklung, die Gesellschaft … Die Gespräche in den Gruppen waren überaus lebhaft und die Plakate entsprechend reich mit Anregungen beschrieben: «Jeden so annehmen, wie er ist»; «Anker für andere sein»; «den anderen gross sehen»; «einladende Menschen und Gemeinschaften sein»; «Werkzeug sein – Raum lassen, so dass die Gnade wirken kann»; «Menschen mit festem Halt»; «Menschen, die ganz Mensch sind» und vieles mehr. Der erste Tag fand zusammen mit den Kindern und Jugendlichen einen fröhlichen Ausklang vor dem Heiligtum. Und das Abendgebet unter freiem Himmel rundete den inhaltlich dichten Tag ab. Der Sonntag begann mit dem Morgengebet in der Hauskapelle. Anschliessend genossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein reichhaltiges Frühstück mit Blick auf die Churfirsten. Und wie jedes Jahr am Sonntagvormittag galt es, das neue Jahresmotto zu finden: «DU – ganz Mensch» ist unsere Antwort auf die heutigen Zeichen der Zeit. Die Bewegungsleitung wird auf das Schönstatt-life hin (28. Oktober) eine Karte mit dem neuen Jahresmotto, Bild und einem dazu passenden Gebet erstellen. Und wie Urs Leupi verriet, wird
«DU – ganz Mensch» Thema des diesjährigen Schönstatt-life’s sein. Ich freue mich auf diese erste Vertiefung des Themas und die Begegnungen am Schönstatt-life. Besonders danke ich Veronika und Christoph Schnyder, Markus Rothenfluh, Sr. M. Florence und P. Raffael Rieger für das Vorbereiten und Leiten des inhaltlich anregenden und die Gemeinschaft unter den Gliederungen fördernden Delegiertentreffens.

Für den Bericht: Maria Hässig
1 Aus den Unterlagen zum Impulsreferat von Sr. Dr. Elizabeth Parodi.
2 Ebd.