Weil gestern unser sechstes Grosskind Sebastian getauft worden ist. Weil wir sehen, dass schon kleine Kinder von Christus gerufen werden, Teil der grossen Gemeinschaft zu sein. Weil wir zur heiligen Kirche gehören wollen, die dieser Christus be-gründet hat, und dadurch auch zur Kirche der Sünder, zu denen auch wir uns zählen.

Weil nur die ehrliche Aufarbeitung katastrophalen Versagens die Gemeinschaft stärken kann. Weil wir uns freuen, dass unsere Kinder Werte mitbekommen haben, die wir Eltern ihnen nie allein hätten schenken können. Weil wir sehen, wie diese Werte den jungen Familien helfen zu wachsen und den Frieden zu bewahren.

Weil auch unsere behinderten Zwillinge immer willkommen sind, obwohl sie in der Leistungs-gesellschaft nicht genügen. Weil wir erfahren durften, dass man aus dem Glauben leben kann, dass er Einheit stiftet. Weil wir Priester, Ordensleute und Seelsorger(-innen) gefunden haben, die immer noch glauben, was sie predigen.

Weil uns die christliche Hoffnung innerlich lebendig erhält im Angesicht des Grauens in dieser Welt. Weil es die göttliche Liebe wirklich gibt. Weil Verzeihung und das Sakrament der Beichte verhindert, dass wir verzweifelt am Kirchenbank kleben bleiben, sondern mit unserer Umkehr heute beginnen dürfen.

Weil wir erlebten, wie unsere Eltern und Freunde nach den Sterbenssakramenten friedlich gehen konnten. Sie immer noch zu uns gehören, weil die Kirche eine Gemeinschaft der Lebenden und Toten ist. Weil wir
materielle und geistige Solidarität erleben und teilen dürfen. Weil wir glauben, dass unsere freiheitliche
Demokratie gestärkt wird von christlich geprägten Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Weil wir verletzlich sind. Weil wir nicht alles im Griff haben. Weil wir gemerkt haben, dass auch die uns auf den ersten Blick Unsympathischen und Menschen mit ganz anderer Meinung von Gott gerufen sind. Weil
unsere erwachsenen, behinderten Zwillinge noch nie jemandem etwas Böses angetan haben, und uns durch ihr Dasein vom Himmel erzählen.

Rita und Stephan Hegglin-Besmer

Dieser Leserbrief erschien in der Zuger Zeitung vom Dienstag, 7. 11. 2023.