Samstagsbrief für die Gesprächspause vom 1. Juli bis 31. August

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wir erwarten Ferien. Ferien sind wichtige Zeiten. Sie stehen im Jahr wie der Sonntag in der Woche. Wie die Sonntage – oder, banaler – die Wochenenden, haben auch die Ferien ihren Zauber und ihre Tücken, je nach dem. Ich hoffe, unsere Samstagsgespräche wirken als Echo nach.

Gott spricht durch die Stimmen der Zeit. Kafka schreibt in einem Brief über die Juden in Prag: „aber mit den Hinterbeinchen kleben sie noch am Judentum des Vaters und mit den Vorderbeinchen finden sie keinen neuen Boden.“ Wir haben Kafkas Parabeln gelesen. Ich habe Gott gehört; für unser Christentum.

Gott spricht durch unsere Lebenssituationen. Ich gehe meinen Lebensweg, eine unabreissbare Kette von Situationen. Ich erleide Verluste, mache Gewinne; ich suche, ich finde; ich werde gefordert, bedrängt und getröstet; überraschend wird mir geholfen, ich richte mich auf. Ich gehe aufrecht weiter. Ich habe Gott gehört.

Gott spricht durch unser Menschsein und durch SEIN Menschwerden. Am dritten Samstag wandern wir stillschweigend mit einem Bild und einem Spruch: „Jeder Schritt durch die Elemente (Erde, Wasser, Luft, Licht) ist ein Schritt zu mir und zu meinem Menschsein. Schritte durch die Welt der Pflanzen und Tiere, sind Schritte zum mir, zu meinem Menschsein und zum Menschsein Marias. Von ihr hat Jesus sein Menschsein empfangen. Ich habe Gott gehört.

Gott spricht durch die Stimme Pater Josef Kentenichs. Es sind Vorträge zum Thema „Vollkommene Lebensfreude“. Schon der Titel – ein kühnes Unterfangen. Kentenich untersucht die Feinde der Freude, die Quellen der Freude, Oasen in den Wüsten der Traurigkeit. Er führt zur Welt hin, zum Mitmenschen, zu Jesus; hin zum Weg der Gottesliebe: „Aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus unserm ganzen Denken und aus ganzer Kraft.“ Es ist der entscheidende Weg vom Wissen zum Leben. Wir wissen viel (Infos!), theoretisieren viel, verpassen den Weg zum Lieben, zur Lebensfreude. Konsumieren hilft nicht weiter.

Nicht jede Familie hat Geld für spektakuläre Ferien. Kreuzfahrten, Strände in Dubai, Trekking durch die Mongolei – sind auch nicht unbedingt Lebensfreude. Wer Sonntag macht, wo auch immer; oder zu Haus bleibt, hört vielleicht zum ersten Mal, was die Birke vor dem Fenster zu sagen weiss; sieht Frau und Kinder, Nachbarn, von einer neuen Seite; erfährt die Freude langer und stiller Sommerabende. Liebt sich selbst. Hört Gott.

P. Werner Hegglin