Samstagsbrief für den 20. Februar 2016

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

am Samstag der „Kurzexerzitien“ beginnen wir, wie gewohnt im Tagungsraum; wir schauen auf unser „Leitbild“, hören, was es uns sagt und kommen so ins Gespräch. Für den stillen Weg nehmen wir am 20. Februar etwas mit, das im Bilde besonders eindrücklich ist: die Grösse und die Kleinheit des Menschen.

 

Grösse

Alle Grösse der Welt ist auch Grösse eines jeden Menschen; in ihm ist alles enthalten.

Meine Grösse sind auch die mächtigen Kalkfelsen am Pilatus und die ganze felsige Kruste der Erde.

▬ Meine Knochen, mein Skelett, Kalk.

Es sind auch die zehn Kilometer Luft über uns und über dem ganzen Rund des Erdballs.

▬ Mein Lebensatem; erster, letzter Atemzug.

Meine Grösse sind die Wasser der Erde, die Flüsse und Seen und die Wasser der Wolken.

▬ Die Wasser aller meiner Körperzellen.

Es sind auch die Sonnen, die Lichter der Welt und die Wärme der Erde.

▬ Mein Augenlicht, meine Körperwärme.

Es kommt dazu:

Die riesige Welt der Gräser, Blumen, Sträucher und Bäume, die sich nähren aus den Elementen.

▬ Sie sind auch mein Wachsen, Blühen, Fruchttragen und Fortpflanzen.

Die Welt der Tiere, vor allem jene, die am selben sechsten Tag erschaffen wurden wie ich, die Säuger.

▬ Sie sind auch mein Körper, meine Bewegungsfähigkeit, mein Rundum-Wahrnehmen und Antworten.

▬ Sie sind meine Verwandtschaft von Anbeginn.

Die Welt der Menschen, meine Welt. Meine Grösse ist, auch was alle Menschen zum Leben hinzubringen:

▬ Geist, Phantasie, Erfindungsgabe; lebenslange Liebe und die unbegrenzte Weite und Kraft der Religion.

 

Kleinheit

Ich schaue nachts nach Süden, über die Berge an den Himmel hinauf, tauche ins Meer der Sterne: da umgreift mich eine unendliche Weite und Tiefe. Ich stehe da, ganz klein, in Ehrfurcht vor dem vergänglichen Universum und vor dem grenzenlosen, unvergänglichen Ewigen, vor Gott.

P. Werner Hegglin

 

Erster Samstag im Monat

„Manchmal atme ich ganz bewusst, als Teilchen dessen, was mich umgibt: momentan dieses alpine Tal. Ein Kleinkosmos. Eine Landschaft, Luft, Licht, Berge, Erde.“ Martin Stadler

 

Schriftsteller schöpfen ihren Stoff aus der Welt, in der sie leben. Sie lesen in der Landschaft, in den Gesichtern der Menschen, werden geprägt von ihrem Dorf, ihrer Stadt, von ihrem Tal. Und sie sind hellhörig für die Stimmen und Fragen der Zeit. Wie wir, so suchen auch sie Gott, die Wahrheit. Sie zweifeln und hoffen. Beim gemeinsamen Lesen entdecken wir in ihren eigentümlichen Sätzen bislang verborgene Seiten unseres eigenen Lebens.

 

Zweiter Samstag im Monat

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

 

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns. Wer philosophiert, öffnet sich hin zur Welt und zu sich selbst. Wir kommen nicht darum herum, uns zu fragen, was das, was im Leben uns widerfährt, was auf uns wartet, für uns zu bedeuten hat. Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt, muss gehen, weitergehen, wachsen.

 

Dritter Samstag im Monat

„Niemand hat Gott je gesehen.“

„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

 

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also, hinaus: Was gibt es Schöneres, als auf dieser Erde, unter diesem Himmel unterwegs zu sein und all dem zu begegnen was Er erschaffen hat? Niemand hat Gott je gesehen, heisst es in der Bibel. Aber könnte es nicht sein, dass wir, aufmerksam durch Seine Schöpfung gehend, Schritt für Schritt Ihm näher kommen und merken: Beziehungen machen reich?

 

Vierter Samstag im Monat

„Der Grad unseres Fortschrittes in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein.“ Pater Josef Kentenich

 

Pater Josef Kentenich war ein begnadeter Redner. Er hatte stets „die Hand am Puls der Zeit und das Ohr am Herzen Gottes“. In seinen Vorträgen, die später in Buchform veröffentlicht wurden, weist er mit erschreckender Genauigkeit auf die Nöte der heutigen Menschen hin: „Die innere Haltlosigkeit bei äusserer Selbständigkeit liegt begründet und ist verwurzelt in der Heimatlosigkeit des modernen Menschen.“ Pater Kentenich lässt uns aber nicht im Regen stehen. Gemeinsam lesen wir in seinen Schriften, schöpfen Hoffnung und Vertrauen.

 

 

Informationen zu den Samstagsgesprächen:

  • Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch
  • Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
  • Neu auch am Freitagabend: Weil oft gesagt wurde, ein Abend wäre besser, kommen jeweils der erste und zweite Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr hinzu. Programm wie an den beiden Samstagen.
  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).
  • Sommerpause: vom 2. Juli bis 27. August 2016.
  • Die Texte für den ersten Samstag im Monat (Martin Stadler, Schriftsteller, Schattdorf UR) können an den jeweiligen Samstagen auf dem Berg Sion bezogen werden.