Samstagsbrief für den 27. Februar 2016

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

heutzutage tragen alle Frauen Hosen, wie wenn es immer so gewesen wäre; Männer wechselten nicht auf Röcke, Männerhosen blieben Männerhosen.

Ich erinnere mich

Es begann im Winter. Meine jüngeren Schwestern wollten Skifahren, waren noch klein, stürzten häufig und erkälteten sich. Unser Vater entschied: warme Skihosen.

Im Advent, morgens um sechs wollten wir Kinder in die Rorate Messe. Unser Weg zur Dorfkirche war weit, der Pfadschlitten kam später, wir stampften eine Spur in den Neuschnee, das gefiel uns. Im Krieg war das Dorf verdunkelt, die Häuser standen ganz schwarz da, ohne jedes Licht; das machte die kalte Frühe noch spannender. Dann Heimkehr, Morgenessen und ab in die Schule. Entscheid des Vaters: wenn ihr das jeden Tag partout wollt, dann warme Hosen.

Es ging nicht lange, gab es Gründe für Hosen auch in wärmeren Jahreszeiten; kurze Hosen für Mädchen allerdings erst später.

Einmal erzählte eine meiner Schwestern beim Abendessen: Stellt euch vor, die Marianne, die mit mir ins Semi geht, kommt am Morgen im Rock auf den Bahnhof, geht dann im Zug aufs WC, kommt in Hosen heraus, den Rock in der Mappe – und am Abend dasselbe Theater. Ihr Vater sei gegen Hosen.

Ich kannte eine religiöse Frauengruppe, die für ihre Tagungen ebenfalls diesen Wechselzwang Rock-Hose praktizierte.

Klosterfrauen habe ich noch in Röcken Skifahren gesehen, sah gar nicht schlecht aus. Aber die Turnlehrerin wechselte bald einmal zu Trainerhosen und so wechselten die Zeiten auch dort.

 

Frauen in sogenannten Männerberufen

Die Lok-Führerin in der Zentralbahn – Männerberufe werden Frauenberufe und umgekehrt – ein Mann wird Kindergärtner. Sowohl in der Berufsarbeit wie in der Familienarbeit hat sich die Situation radikal verändert. Es ist nichts mehr so, wie es einmal war. Auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist ins Wanken geraten.

Pater Josef Kentenich hat Frauen- und Männergemeinschaften gegründet, zölibatäre und andere, dazu Familiengemeinschaften. Das zwang ihn, die Aufgaben der Frauen und Männer in der Gemeinschaft zu klären; vor allem die Grundfrage: Was ist die Frau für den Mann, der Mann für die Frau? Gleichwertig, sicher, aber gleichartig.

 

P. Werner Hegglin

 

Erster Samstag im Monat

„Manchmal atme ich ganz bewusst, als Teilchen dessen, was mich umgibt: momentan dieses alpine Tal. Ein Kleinkosmos. Eine Landschaft, Luft, Licht, Berge, Erde.“ Martin Stadler

 

Schriftsteller schöpfen ihren Stoff aus der Welt, in der sie leben. Sie lesen in der Landschaft, in den Gesichtern der Menschen, werden geprägt von ihrem Dorf, ihrer Stadt, von ihrem Tal. Und sie sind hellhörig für die Stimmen und Fragen der Zeit. Wie wir, so suchen auch sie Gott, die Wahrheit. Sie zweifeln und hoffen. Beim gemeinsamen Lesen entdecken wir in ihren eigentümlichen Sätzen bislang verborgene Seiten unseres eigenen Lebens.

 

Zweiter Samstag im Monat

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

 

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns. Wer philosophiert, öffnet sich hin zur Welt und zu sich selbst. Wir kommen nicht darum herum, uns zu fragen, was das, was im Leben uns widerfährt, was auf uns wartet, für uns zu bedeuten hat. Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt, muss gehen, weitergehen, wachsen.

 

Dritter Samstag im Monat

„Niemand hat Gott je gesehen.“

„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

 

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also, hinaus: Was gibt es Schöneres, als auf dieser Erde, unter diesem Himmel unterwegs zu sein und all dem zu begegnen was Er erschaffen hat? Niemand hat Gott je gesehen, heisst es in der Bibel. Aber könnte es nicht sein, dass wir, aufmerksam durch Seine Schöpfung gehend, Schritt für Schritt Ihm näher kommen und merken: Beziehungen machen reich?

 

Vierter Samstag im Monat

„Der Grad unseres Fortschrittes in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein.“ Pater Josef Kentenich

 

Pater Josef Kentenich war ein begnadeter Redner. Er hatte stets „die Hand am Puls der Zeit und das Ohr am Herzen Gottes“. In seinen Vorträgen, die später in Buchform veröffentlicht wurden, weist er mit erschreckender Genauigkeit auf die Nöte der heutigen Menschen hin: „Die innere Haltlosigkeit bei äusserer Selbständigkeit liegt begründet und ist verwurzelt in der Heimatlosigkeit des modernen Menschen.“ Pater Kentenich lässt uns aber nicht im Regen stehen. Gemeinsam lesen wir in seinen Schriften, schöpfen Hoffnung und Vertrauen.

 

 

Informationen zu den Samstagsgesprächen:

  • Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch
  • Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
  • Neu auch am Freitagabend: Weil oft gesagt wurde, ein Abend wäre besser, kommen jeweils der erste und zweite Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr hinzu. Programm wie an den beiden Samstagen.
  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).
  • Sommerpause: vom 2. Juli bis 27. August 2016.
  • Die Texte für den ersten Samstag im Monat (Martin Stadler, Schriftsteller, Schattdorf UR) können an den jeweiligen Samstagen auf dem Berg Sion bezogen werden.