Samstagsbrief für den 2. April 2016

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

„Mark Twain sagte, dass gute Absichten in der Hälfte der Fälle zu guten Folgen führen. Damit bringen sie auch in der Hälfte der Fälle schlechte mit sich. Wenn er heute leben würde, wäre er wohl der Meinung, dass die sozialen Medien offensichtlich gute Absichten haben und ihre guten Folgen nicht weiter erörtert zu werden brauchen. Twain würde jedoch bemerken, dass er ein noch häufigeres Ergebnis guter Absichten unterschlagen hatte: gute und schlechte Folgen gleichzeitig.“

Das MIT ist wohl eine der bedeutendsten Technischen Hochschulen in der USA; dort gibt es eine eigene Forschungsabteilung für Wissenschafts- und Techniksoziologie, die sich kümmert um die sozialen Auswirkungen technischer Fortschritte.

Am ersten Samstag im April bilden zwei Aufsätze aus dem MIT unsere Gesprächsgrundlagen.

 

1 Objekt der Begierde

„Kinder sehen die Erwachsenen den ganzen Tag mit glänzenden technischen Gegenständen spielen. Eltern wiegen sie, liebkosen sie und geben sie nie aus ihren Händen. Wenn Mütter ihre Babys stillen, sind die glänzenden Gegenstände in ihren Händen, an ihren Ohren.“ usw.

„So war es schon immer: in jeder Kultur wollen Kinder die Gegenstände der erwachsenen Begierde.“

„Die Bildschirme machen den Kindern drei magische Versprechen: Es hört einem immer jemand zu. Man kann seine Aufmerksamkeit allem, was man will, zuwenden. Und man wird nie allein sein müssen.“

Darüber müssen wir nachdenken. Es geht ja uns an, die Erwachsenen.

 

2 Soziale Medien: Je mehr zusammen, umso mehr allein

„Der Austausch von Informationen ist das Wenigste, was Menschen tun, wenn sie miteinander sprechen. Weit mehr ist das Sprechen eine Wiederholung dessen, was der Hörer schon weiss, oder an dessen Wissen er kein Interesse hat. Aber überall auf der Welt suchen Menschen nach solchen Unterhaltungen um ihrer selbst willen, und die Forschung hat gezeigt, dass die Gesprächspartner nach einem Schwatz, wie inhaltslos er auch sein mag, sich nicht nur besser fühlen, sondern auch eine bessere Meinung voneinander haben. Wie kommt das zustande?

Ja: befragen wir unsere Erfahrungen; ziehen wir die Folgerungen, wenn die Gespräche fehlen.

 

Achtung: Der Freitagabend fällt diesmal aus; bitte weitersagen.

P. Werner Hegglin

 

Erster Samstag im Monat

„Manchmal atme ich ganz bewusst, als Teilchen dessen, was mich umgibt: momentan dieses alpine Tal. Ein Kleinkosmos. Eine Landschaft, Luft, Licht, Berge, Erde.“ Martin Stadler

 

Schriftsteller schöpfen ihren Stoff aus der Welt, in der sie leben. Sie lesen in der Landschaft, in den Gesichtern der Menschen, werden geprägt von ihrem Dorf, ihrer Stadt, von ihrem Tal. Und sie sind hellhörig für die Stimmen und Fragen der Zeit. Wie wir, so suchen auch sie Gott, die Wahrheit. Sie zweifeln und hoffen. Beim gemeinsamen Lesen entdecken wir in ihren eigentümlichen Sätzen bislang verborgene Seiten unseres eigenen Lebens.

 

Zweiter Samstag im Monat

„Er dachte niemals ein Wort, aber andere waren genug da, die für ihn was sagten, bis er wortlos umfiel.“ Wolf Dieter Brinkmann

 

Denkfaulheit und Gleichgültigkeit können tödlich sein. Sie verschliessen uns. Wer philosophiert, öffnet sich hin zur Welt und zu sich selbst. Wir kommen nicht darum herum, uns zu fragen, was das, was im Leben uns widerfährt, was auf uns wartet, für uns zu bedeuten hat. Wir müssen Antwort geben, Entscheidungen fällen. Wenn wir sie nicht selber fällen, werden sie für uns gefällt. Stehenbleiben hilft nicht. Wer lebt, muss gehen, weitergehen, wachsen.

 

Dritter Samstag im Monat

„Niemand hat Gott je gesehen.“

„Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut.“ Bibel

 

Himmel und Erde sind ein Geschenk. Ein unendlich grosses Geschenk. Noch haben wir es nicht ganz zerstört, nicht vollständig verschmutzt. Also, hinaus: Was gibt es Schöneres, als auf dieser Erde, unter diesem Himmel unterwegs zu sein und all dem zu begegnen was Er erschaffen hat? Niemand hat Gott je gesehen, heisst es in der Bibel. Aber könnte es nicht sein, dass wir, aufmerksam durch Seine Schöpfung gehend, Schritt für Schritt Ihm näher kommen und merken: Beziehungen machen reich?

 

Vierter Samstag im Monat

„Der Grad unseres Fortschrittes in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein.“ Pater Josef Kentenich

 

Pater Josef Kentenich war ein begnadeter Redner. Er hatte stets „die Hand am Puls der Zeit und das Ohr am Herzen Gottes“. In seinen Vorträgen, die später in Buchform veröffentlicht wurden, weist er mit erschreckender Genauigkeit auf die Nöte der heutigen Menschen hin: „Die innere Haltlosigkeit bei äusserer Selbständigkeit liegt begründet und ist verwurzelt in der Heimatlosigkeit des modernen Menschen.“ Pater Kentenich lässt uns aber nicht im Regen stehen. Gemeinsam lesen wir in seinen Schriften, schöpfen Hoffnung und Vertrauen.

 

 

Informationen zu den Samstagsgesprächen:

  • Ort: Berg Sion, Mättihalde, 6048 Horw, Telefon 041 349 50 30, www.bergsion.ch
  • Zeit: Die Gespräche finden jeden Samstag statt, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Im Anschluss besteht um 17.15 Uhr die Möglichkeit, in der Hauskapelle an der Vorabendmesse teilzunehmen.
  • Neu auch am Freitagabend: Weil oft gesagt wurde, ein Abend wäre besser, kommen jeweils der erste und zweite Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr hinzu. Programm wie an den beiden Samstagen.
  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch keine fachlichen Voraussetzungen. Die Teilnahme ist unentgeltlich (Kollekte).
  • Sommerpause: vom 2. Juli bis 27. August 2016.
  • Die Texte für den ersten Samstag im Monat (Martin Stadler, Schriftsteller, Schattdorf UR) können an den jeweiligen Samstagen auf dem Berg Sion bezogen werden.