Tagung von Frauen für Frauen 2019 zum Thema: „Die Krux mit den Entscheidungen“
Bericht von Silvia Harder

Am Samstag, 27. April, hiessen Sr. Beatris und Petra Schuh, die bei Schutz und Rettung Zürich arbeitet, eine durchmischte Schar Frauen willkommen. Alle waren neugierig, welche Tipps sie uns 2019 geben konnten, um entscheidungsfreudiger zu sein.

Mit dem Lied von Udo Jürgens vom Tante Emma Laden wurden wir ins Tagungsthema eingestimmt: „ … da liegen die Regale voll, ich weiss nicht, was ich nehmen soll….“ Ja, wenn keine Möglichkeiten da wären, müsste ich mich nicht entscheiden. Gemäss Statistiken treffen wir täglich gegen 100’000 Entscheidungen, sagt Petra Schuh. Von kleinen Entscheidungen bis zu lebensverändernden Entscheidungen. Sie stellt uns 8 verschiedene Entscheider – Typen vor; jede versucht sich einzuordnen.

Wer sich schwer tut bei schwerwiegenden Entscheidungen eine Mitte zu finden, kann auch in eine Art Daueranspannung geraten. Bewusst oder unbewusst suchen wir nach fassbarem Halt und Hilfe. Das Gebet und der Dialog mit der Gottesmutter ist nicht immer leicht zu verstehen und schon gar nicht fassbar. Das kann auch die Gefahr bergen, sich in andere Richtungen (Esoterik, Horoskope, Astrologie..) zu verirren, oft auch mit hohen Kosten verbunden. Pater Kentenich war ganz klar für innere Freiheit, das heisst, entscheiden auf Grund meiner inneren Werte, auch im Dialog mit Gott und der Gottesmutter. Auch ihm ist der Entscheid nicht immer leicht gefallen, hat sich durchringen müssen. Entscheiden können ist elementar wichtig! Dazu braucht es Gottvertrauen, Geduld, Ruhe, vielleicht einen Rückzugsort oder das Aufschlagen der Bibel. Es ist kein Einheitsmensch erforderlich. Entscheide können durchaus originell sein. Pater Kentenich: „Wir dürfen nicht Kopie sein, sondern jeder von uns soll ein Original sein.“ Oder wie Dag Hammerskjöld: „Einfachheit heisst sehen, urteilen und handeln, von dem Punkt her, in dem wir in uns selbst ruhen.“

Gott schenkt dem Menschen den freien Willen. Gott geht dem Menschen in seinem Versagen immer wieder nach, lässt den Menschen nicht allein. Gott ist es wichtig, dass man ihn liebt aus eigener Entscheidung. Der Mensch kann zu Gott Ja oder Nein sagen. Auch Maria wurde gefragt, sie wurde nicht gezwungen, Mutter Gottes zu werden. Sie sagte zum Engel in aller Freiheit: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast.“
Wie komme ich zu einer stimmigen Entscheidung? Ein Leitsatz von Pater Kentenich: „Was dem Vater Freude macht, tue ich allezeit.“ Sr. Beatris brachte uns folgende drei Situationen aus dem Leben von Pater Kentenich näher, die uns bei Entscheidungen hilfreich sein können:

1. Situation: Gründung 1912 – 1914; Pater Kentenich kommt zur Überzeugung, so darf man nicht erziehen; sondern Selbsterziehung schien ihm wichtig, d.h. selber kreativ und aktiv werden, auch im Charakter reifen. Er entdeckt den Zeitungsausschnitt über Valle die Pompei, der die Frage auslöst: Könnte das Gott mit dem Friedhofkapellchen in Schönstatt auch vorhaben? Er stellt diese Idee den Studenten vor.
Will heissen: bei Entscheidungen in Situationen „hineinschauen: wo macht mir der liebe Gott eine Türe auf, wo geht eine Türe zu? Gott „redet“ durch Situationen, Menschen…

2. Situation: Konzentrationslager ja oder nein? Pater Kentenich sagte nicht das, was der Nationalsozialismus gerne hören wollte. Er sagte, wir schöpfen alles aus, was möglich ist. Wir halten an unserm Kreuz fest. Er überlegt und betet. Er weiss, wenn der liebe Gott ihn braucht für Seine Pläne, dann kommt er lebend aus dem Konzentrationslager. Nach 3 Jahren kommt er gesund am Leib und Seele aus Dachau zurück.
will heissen: wir dürfen absolutes Vertrauen haben, dass es so kommt, wie Gottes Wille es will.

3. Situation: Angebot an die Kirche; 1945 kommt Pater Kentenich aus dem Konzentrationslager. Er weiss, es geht um Frohbotschaft und Liebe. Die Kirche versteht nicht. Pater Kentenich steht dafür ein! Die Kirche schickt ihn ins Exil. Rehabilitation nach 14 Jahren. will heissen: Gott hat manchmal eine Aufgabe für uns, die nicht einfach ist. Jetzt habe ich die Freiheit, zu kneifen oder sie als Sendung zu packen.

Fragen an mich, wenn ich Entscheidungen zu fällen habe:
– was hat Gott in Seiner Liebe für mich vorgesehen?
– kann ich Seinen Wunsch durch Situationen meines Alltags erkennen?
– stellt Gott mich vor neue Herausforderungen, Aufgaben, die ich angehen soll?

Zuguterletzt
– Behalten Sie das Ganze im Blick
– Wägen Sie das Für und das Dagegen ab
– Lassen Sie sich Zeit mit der Entscheidung: beten und schlafen sie darüber
– Zögern Sie die Entscheidung nicht zu lange hinaus
– Haben Sie sich entschieden, gehen Sie vertrauensvoll den Weg mit Gott

Petra Schuh konnte uns einige Beispiele aus ihrem Praxisalltag erzählen. Bei Schutz und Rettung sind schnelle Entscheidungen gefragt. Auch bei weniger optimalen Entscheiden kann man etwas daraus lernen. Wichtig ist, dazu zu stehen und das Beste daraus zu machen. Aber generell gilt: Lieber ein Entscheid jetzt, als ein besserer, der zu spät kommt. Und Hand aufs Herz: auch an Fehlentscheiden und Missgeschicken können wir wachsen, wenn wir uns nicht frustriert zurücklehnen. Getreu unserm Jahresmotto: Auf dein Wort hin, miteinander wirken und wachsen.

Zum Abschluss unserer lehrreichen Tagung treffen wir uns bei der Gottesmutter im Heiligtum für eine Andacht:
Ich bau auf deine Macht und deine Güte, vertrau auf sie mit kindlichem Gemüte. Ich glaub, vertrau in allen Lagen blind, auf dich du Wunderbare und dein Kind. Amen.

Ein herzliches Vergelt’s Gott an Sr. Beatris und an Petra Schuh für jeden wertvollen und hilfreichen Impuls.Ein spezieller Dank richtet sich auch an Irma Bürli, die uns entscheidungsfreudig mit den zwei Lieder vom Schwälbli und vom Guggerzytli beglückte. Bestimmt werden wir uns noch oft an diese eindrückliche Tagung erinnern.
Silvia Harder