Liebe Schönstätter und Schönstätterinnen, liebe Freunde der Schönstatt Bewegung, liebe Interessierte.

Nach Monaten, in denen nur kleinere Treffen der Bewegung stattfinden konnten, freuten sich alle, dass das «Schönstatt Life» Ende Oktober in Quarten stattfinden konnte. Ca. 70 Personen aus den verschiedenen Gliederungen begegneten sich, es gab Impulse in Ateliers, das neue Jahresmotto wurde eingeführt und zum Abschluss feierten wir gemeinsam Gottesdienst mit P. Christoph Horn, der anlässlich seines 25. Priesterweihe-Jubiläum von seinem persönlichen Berufungsweg erzählte. Im Folgenden möchte ich die Gedanken zum neuen Jahresmotto weitergeben. Sie sollen anregen, sich als Einzelne, als Ehepaar, als Gruppe oder bei einem Treffen sich mit den Themen zu beschäftigen.

geschüttelt – gehalten – bewegt

Etwas, was uns als Schönstatt Bewegung zusammenhält, ist unsere Spiritualität sowie die Pädagogik mit der Betonung der Selbsterziehung und das Apostolat. Diese drei Elemente wollen immer wieder neu Gestalt annehmen für die jeweilige Zeit. Darum suchen wir jeweils ein Jahresmotto. Das machen bei uns in der Schweiz die Delegierten am Delegiertentreffen im Juni. An diesem Treffen schauen wir in die Zeit und auf das, was uns bewegt. Am Sonntag versuchten wir dann all die Gedanken vom Samstag zusammenzufassen und es konzentrierte sich immer mehr auf die drei Worte: Geschüttelt – gehalten – bewegt: auf diese drei Worte und ihre Bedeutung möchte ich im Folgenden eingehen: Zu den Worten gibt es auch ein Bild, dieses ist hier im Info auch abgedruckt. Es ist das Bild von einem Pendel in Form einer Uhr.

geschüttelt

Die Bewegung der Uhr kommt im Bild auch gut zum Ausdruck. Damit die Uhr ein Pendel ist, braucht sie Bewegung! Wenn man zu viel bewegt wird, dann hat man manchmal das Gefühl geschüttelt zu werden. Wovon werden Sie gerade im Moment geschüttelt? Sie können sich dazu selber oder in einer Gruppe gerne mal austauschen. Gemeinsam wurden wir in den letzten Monaten vor allem von der Pandemie geschüttelt. Es gibt dazu viele Aspekte, vieles könnte man nun anfügen. In den letzten Wochen heisst das Schütteln vor allem mit den verschiedenen Überzeugungen im Umgang mit dem Impfen und dem Zertifikat umzugehen. Das kann bis in die Familien und in die Gemeinschaften hinein sehr bewegen. Es gibt noch weitere Bereiche, wo wir ziemlich geschüttelt werden als Gesellschaft: Der Klimawandel oder auch die kirchliche Situation. Was können wir in all diesen Krisen von Schönstatt her als Hinweis, als Antwort geben? Die Antwort ist das zweite Wort unserer Parole:

gehalten

Wenn wir auf das Bild der Uhr schauen, sehen wir, dass diese oben angemacht sein muss. Übertragen auf uns heisst das, auch wir sind in unseren Beziehungen und auch in der Beziehung zu Gott gehalten. Es ist eine Zusage, die wir hoffentlich immer wieder auch konkret erleben. Sie geht auch auf unser Urvertrauen zurück. Die Bindung, das positive Erleben von Beziehung als Kleinkind und Kind in der menschlichen Ebene wird auf Gott übertragen! P. Josef Kentenich will mit diesem Bild vom Pendel sagen (Jan 1946): «Der Sinn der Ungesichertheit ist letzten Endes eine Pendelsicherheit auf der höheren Ebene, die Pendelsicherheit in Gott.» Er selber hat diese Tatsache sehr stark erfahren. Erstaunlich bei ihm ist, dass er zu diesem grossen Vertrauen kam auch mit schwieriger Kindheit. Er war so tief mit Maria verbunden, dass er in ihr erlebte, was es heisst zu vertrauen. Er beschreibt selber wie tief ihm die Erfahrung als 9-jähriger ging, als seine Mutter ihn im Waisenhaus Maria anvertraute. Das war für ihn eine Schlüsselerfahrung des Vertrauens. Oder denken wir an die Erfahrungen im KZ oder an seine Verbannung nach Amerika, über deren Gründe gerade heute wieder gesprochen wird und die neu untersucht werden müssen. Er hat viele unsichere Zeiten erlebt. Wenn wir das im Blick haben, klagen wir heute oft auf hohem Niveau. Wir werden im Moment in der Zeit der Pandemie in unserer Freiheit etwas eingeschränkt und fühlen uns schon sehr bedrängt. Könnten wir nicht in diesen Tagen neu lernen, was dieses gesichert sein in Gott bedeutet? Sozusagen, dass wir gerade die Herausforderungen der jetzigen Zeit dafür nutzen hier zu wachsen? Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit, da können wir viel lernen! Zwei Gedanken dazu:
1. Der Gedanke der Schicksalsverwobenheit, ein alter Begriff: in einer Krise können wir besser verstehen, was P. Kentenich damit meinte. Es geht darum, dass uns immer mehr klar wird, dass wir alle im selben Boot sitzen. Bei der Klimakrise und der Pandemie ist das so. Ich kann mich nicht herausziehen, ich muss innerlich ja sagen zur Situation, wie sie ist. Zudem bin ich herausgefordert und angefragt, diese Situation mitzutragen, meines, was ich kann dazu zugeben. Daraus folgt zweitens:
2. Weil wir alle zusammen betroffen sind, bin ich herausgefordert jeden mit seinem Charakter so zu nehmen wie er bzw. sie ist und seine oder ihre Entscheidungen zu respektieren. Ob jemand sich impfen lässt oder nicht, kann nicht das Kriterium sein, ob ich mit jemandem noch in Beziehung bin oder nicht. Sollten wir nicht unterscheiden, dass der Staat die Aufgabe hat die Gesundheitskrise anzugehen und dazu muss er Massnahmen aussprechen. Diese können uns besser oder weniger gut passen. Als Einzelner, meine ich, sollten wir nüchtern sein und sagen, ja das sind die Massnahmen und ich respektiere diese, aber ich respektiere auch, wie jemand anderer sich zu diesen Massnahmen verhält. Das heisst, dass wir Schönstätter Menschen sind, die in herausfordernden Zeiten die Situationen nicht durch Emotionalisierung noch erschweren. Ich meine, das sollte eine Folge sein von unserer Erfahrung des Gehalten-seins. Da wird das Liebesbündnis konkret. Einander auch in der Krise zu respektieren und anzunehmen ohne richtig oder falsch! Es wäre tragisch, wenn das Liebesbündnis bei Geimpft oder nicht Geimpft aufhören würde. Versuchen wir die Situation zu nutzen, um selber unser Gehalten-sein in Gott zu verstärken. Suchen wir diesen Blick nach oben!

bewegt

So möchte ich noch zum dritten Wort unserer Parole kommen: bewegt! Und da sind wir nun bei der Frage: Was will Schönstatt? Als bewegte Menschen möchten wir bewegen!
Es war den Delegierten wichtig zu sagen: wir werden durch die Gegenwart Gottes immer wieder berührt und bewegt! Es ist wie beim Pendel, erst wenn er bewegt wird, erfüllen er seinen Zweck. Wir möchten also nicht lahm, einfach an der Beziehung zu Gott hängen, sondern bereit sein, dass wir bewegt und manchmal auch geschüttelt werden, damit wir auch andere bewegen können. Was gibt ihnen im Moment Schwung? Bzw. was möchten Sie im Moment bewegen, wo sehen sie ihren Einsatz vor allem? Es kann in der Familie sein, im Beruf in der Gesellschaft… Wenn wir als Schönstätter in unserer Umgebung etwas bewegen können, wenn wir etwas ausstrahlen können vom Gehalten sein, dann hat Schönstatt als Kraft- und Inspirationsquelle seinen Auftrag erfüllt.

Autor: P. Raffael Rieger