Beim Pilgerheiligtumstreffen für die deutsch Sprechenden im Oktober beschäftigten wir uns besonders mit dem Initiator dieses weltweiten Apostolates – mit João Pozzobon. Er war wirklich ein Mann von der Liebe Christi gedrängt.

Auszug aus dem einführenden Gespräch

1 Ein Schönstattpater sagt: «Die Hingabe João Pozzobons an die Sendung war total.» Während 35 Jahren, bis zu seinem Tod 1985, versucht er das Testament Christi umzusetzen: «Siehe, deine Mutter.» Und das war nicht immer einfach. Ob es regnete, ob die Sonne brannte, ob man ihn wollte oder nicht. Er tat es aus Liebe zu Christus, für Maria, für viele Menschen.

2 Während 14 Jahren bekommt Pozzobon auch immer wieder heftigen Gegenwind. 1956 wird zum Beispiel die Schönstatt-Bewegung verboten, weil der Gründer zur Prüfung seines Werkes im Exil ist. Das Kapellchen muss geschlossen und das Allerheiligste entfernt werden. Das bringt auch Pozzobon Schwierigkeiten, da er mit dem Bild der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt die Menschen besucht. Verschiedene Priester, und auch der Bischof wollen, dass er ein anderes Marienbild nimmt. Pozzobon erklärt, dass er sich vor diesem Bild Maria geweiht hat und so gibt der Bischof die Erlaubnis weiterzumachen, aber er darf nur noch im inneren des Landes unterwegs sein.

1 Viele Menschen verstehen seine Sendung nicht, auch einige Marienschwestern haben Mühe mit seinem Apostolat. Ein Priester sagt «Mir scheint dies sei Fanatismus.» Pozzobon meint darauf: «Verwechseln Sie Liebe nicht mit Fanatismus!» Ein anderer: «Das ist Aberglaube!» Pozzobon erwidert fragend: «Dann ist das mit Jesus auch Aberglaube?»

2 Ich muss staunen, was Pozzobon über die Zeit des Unverstandenseins schreibt: «Ich muss allen danken, die mich nicht verstehen, denn dadurch wachse ich in die Tiefe. Jeder Widerstand bringt einem einen Schritt nach vorne. Maria, wenn du mir hilfst, werde ich voran kommen. Auch wenn alle gegen mich wären, möchte ich lernen, Jesus, deinen Sohn allen zu bringen.»

1 Interessant ist, dass er wegen seiner Kurzsichtigkeit als ungeeignet für den Militärdienst abgelehnt wird und wie João Pozzobon das deutet. Er schreibt: «Die unendliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes hat mich nicht für ungeeignet befunden. Sie hat mich benützt, so wie ich bin. Gott hat mir seine Mutter als Pilgernde Mutter anvertraut. Niemand ist ungeeignet für den Dienst Gottes. Ich wurde als ungeeignet betrachtet, und siehe da: Welches Apostolat und welche Pastoral!»

Die Sonne scheint warm

Beim Gang zur Pfarrkirche von Quarten begleitete uns noch ein leichter Regen, aber als wir mit dem grossen Pilgerheiligtum die Prozession zur Gnadenkapelle zurück machten, schien die Sonne warm und wir dankten für dieses Geschenk! Pfarrer Barmet segnete die vielen Marienbilder, die im Chorraum standen und dann wurden sie wieder neu ausgesandt in die verschiedenen Kantone: Aargau, Appenzell, Basel, Graubünden, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Zürich und in das Fürstentum Liechtenstein.

Beim Mittagessen hörten wir von der Pilgernden Mutter in anderen Ländern: bei den Indianern in Brasilien, bei den Taxifahrern in Chile und im Gefängnis in Burundi. Drei Schweizerinnen berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen mit den Besuchen der Pilgernden Mutter.

«Um bei IHR, bei Maria, zu sein!»

Nachmittags war Zeit zum Verweilen, zum Teilnehmen an einem Atelier: «Jeder Augenblick ist kostbar», Empfang des Beicht-Sakramentes und Rosenkranz: «Um bei IHR zu sein».

Seit Pozzobon im Alter von 46 Jahren mit dem Tragen der Pilgernden Mutter zu den Menschen begonnen hatte, betete er auch mehr als vorher. Er sagte: «Ich begann frühmorgens auf dem Weg zum Heiligtum mit den ersten Rosenkränzen. Hinter meinem Haus hatte ich einen Gemüsegarten, in dem ich täglich eine Stunde arbeiten musste. Wie könnte ich beten während ich den Boden bearbeite? Da kam mir der Gedanke, fünf Kerben in die Hacke zu schneiden. Jetzt konnte ich mit dem Zeigefinger über die Kerben fahren: eins – zwei – drei – vier – fünf, herauf und herunter, und auf diese Weise weiterbeten, während ich jätete.» Das viele Beten war für Pozzobon nicht mechanisch, sondern ein Ausdruck seiner selbst, eine innere Notwendigkeit. Auf die Frage: Warum betest du soviel? antwortete er einmal: «Um immer bei IHR, bei Maria, zu sein!»

Text: Sr. Ursula-Maria Bitterli
Bilder: Annagreth Linder