Schweige-Exerzitien für Führungskräfte
In der Zeit vom 26. November – 30. November 2023 nahm ich zusammen mit acht anderen Männern an den Schweige-Exerzitien in Memhölz im Allgäu teil. Eingeladen dazu hat die Internationale Kentenich-Akademie für Führungskräfte (IKAF). Die Schweige-Exerzitien wurden geleitet von Pater Michael Hagan ISch.
Am Anfang hatte ich viele Fragen und Bedenken. Kann ich das? Halte ich die Stille aus? Was mache ich mit soviel Zeit, wenn ich nicht sprechen darf? usw. Sicherheitshalber nahm ich noch etwas zum Lesen mit. Aber bei der Einleitung wurden wir gebeten auf das Lesen zu verzichten. Damit war ich gezwungen mich mit mir zu beschäftigen.
Ich wurde nach diesen stillen Tagen oft gefragt, ob wir wirklich geschwiegen haben. Ja, wir haben alle zusammen vom Montag Morgen bis am Donnerstag Mittag geschwiegen. Einzig während des Essens lief leise Musik im Hintergrund.
Am Morgen hatten wir ein gemeinsames Morgengebet in der Kapelle. Um 09.15 Uhr und am Nachmittag um 15.00 Uhr gab es einen Impuls. Am Abend feierten wir gemeinsam den Gottesdienst. Nach dem Nachtessen hielten wir noch Anbetung. Dazwischen war Zeit für uns, welche wir mit Stille, Gebet, Spazieren, Nachdenken usw. füllten.
Meine persönlichen Erfahrungen:
- Ich war in der Stille – doch meine Gedanken waren sehr aktiv. Ich musste mir immer wieder zureden und mich drauf konzentrieren, nicht gedanklich abzuschweifen.
- Sich Zeit nehmen, um auf das Leben zu schauen, habe ich als ein grosses Geschenk erfahren. Die wertvollen Impulse von Pater Michael haben mir geholfen, dem stillen Tag Struktur zu geben und immer dran zu bleiben.
- Wir wurden angehalten, nicht zu reden. Und wie verhalte ich mich, wenn ich am Morgen oder tagsüber einen meiner „Mitschweigenden“ gesehen habe? Nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass man einander auch grüssen kann, indem man mit dem Kopf nickt. Das sind alles neue Herausforderungen, die sich einem stellten.
- Ich war in Memhölz und meine Frau Rita im Steinerberg. Es kommt bei uns eher sehr selten vor, dass wir so lange getrennt leben. Ich habe ihr ab und zu eine WhatsApp geschrieben, dass ich Zeit für eine Kaffeepause hätte, und so haben wir über die Distanz gemeinsam einen Espresso getrunken. Eine neue Form, um auch über Distanz in Verbindung zu sein.
- Ich freute mich immer auf die gemeinsamen Mahlzeiten, auch wenn jeder seinen Gedanken nachhing. Für mich war das eine neue Erfahrung, dass Gemeinschaft auch in Stille erfahrbar ist.
- Als „Schnellesser“ kam ich immer mehr zur Ruhe und am Schluss war ich meistens einer der Langsamsten.
- Dadurch, dass ich nicht mit Gesprächen abgelenkt war, konnte ich das Essen in vollen Zügen geniessen und habe jeden Bissen genossen. Ich muss auch ehrlich sagen die Küche war hervorragend.
Ich habe diese Tage als ein grosses Geschenk erfahren: Sich Zeit zu nehmen, in die Ruhe zu kommen, nicht abgelenkt zu werden, sich mit sich persönlich zu beschäftigen. Ich kann solche Schweige-Exerzitien nur weiter -empfehlen.
Franz Schuler, Steinerberg